TH FanFictions - by Lara <3
Kapitel 1

Zu Hause sah ich mich erst einmal gründlich um. Hatte sich irgendetwas verändert?
Wir wohnten seit circa 5 Jahren in Magdeburg. Manchmal vermisste ich Kleve schon, aber eigentlich eher nicht…
Meine blonden Haare waren in den 4 Monaten entsetzlich lang geworden. Das wurde mir aber zum Glück erst bewusst als ich in meinem Zimmer vor meinem Spiegel stand.
Nicht auszudenken wenn ich im Krankenhaus vor Schock wieder umgekippt wäre.
Vorsichtig tastete ich mein Gesicht ab. Meine Haut war ganz bleich geworden. Wahrscheinlich nichts ungewöhnliches, aber für mich doch irgendwie komisch. Immerhin war ich sonst immer total braun gebrannt nach den Ferien.
Gewachsen war ich anscheinend nicht. Ich maß immer noch 1,65m. Ich hatte nur ein bisschen abgenommen, aber mit ein bisschen Schokolade sollte ich mein Idealgewicht wohl wieder drauf haben.
Seufzend fing ich an mein Handy zu suchen, nicht ohne zig Mal vom Mum unterbrochen zu werden, um nachzusehen ob ich SMS bekommen hatte.
Ich fand es schließlich unter meinen BH’s. Wie es dahin gekommen war konnte ich mir nicht erklären, vielleicht war’s ja die Katze!? Ich kicherte bei der Vorstellung meine Katze mit ’nem BH über den Ohren und mit meinem Handy am Telefonieren.
Ich verwarf den bescheuerten Gedanken wieder und gab den PIN ein. Ja, den hatte ich auch nach 4 Monaten Koma nicht vergessen.
Irgendwie hatte ich nichts vergessen. Es war wirklich als wäre ich nach einer ganz normalen Nacht aufgewacht.
Das Handy fing an zu vibrieren und wollte gar nicht mehr aufhören. 3 SMS, 5, 10,…,25…. Irgendwann hörte ich auf zu zählen.
Die Meisten waren von Ronja und Silke. 2 meiner besten Freundinnen. Nach unzähligen „Wach doch wieder auf! Lieb dich derbste!“ ’s kamen dann die verpassten Anrufe.
Eine Nummer kannte ich nicht. Ich zuckte mit den Schultern und löschte sie wieder.
Wer auch immer es war, wenn es wichtig war, würde der- oder diejenige (vielleicht auch dasjenige) wieder anrufen, oder eine SMS schreiben, meine Nummer schien er, sie (oder es) ja zu haben, woher auch immer.
Langsam fing ich an ein bisschen Ordnung in mein Zimmer zu bringen. Ich war glaub ich noch nie so gründlich.
Meine Mutter verzweifelte fast an der ganzen Wäsche. Gedankenverloren schaltete ich das Radio ein und summte mit zu den Melodien die ich überhaupt nicht kannte. Sehr logisch!
Bei der Riesenaufräumaktion fiel mir dann doch tatsächlich mein Tagebuch in die Hände.
Der letzte Eintrag war 1 Tag vor dem Unfall gewesen, soweit ich das beurteilen konnte.

14. August 2004
Hey!
Heute war mal wieder so ein richtig geiler Tag! War erst mit Nana shoppen und dann waren wir im Freibad. Wir mussten unsere neuen Bikinis ja ausprobieren *gg*
Hab da voll den schnuckeligen Typen kennen gelernt!
Wir haben uns die ganze Zeit heiße Blicke zugeworfen =) Er hat sich aber nicht getraut mich anzusprechen und Jungen machen doch immer den ersten Schritt =/
Morgen geh ich nach Ronja. Da ist irgendwie Party oder so. Mama will nicht, dass ich mit dem Rad fahre. Was soll denn schon schief laufen? ...


Irgendwie begann ich zu lachen. Da konnte schon ziemlich viel schief laufen. Das beste Beispiel saß gerade auf meinem Stuhl!
Es war schon seltsam. All das war so fremd für mich. Naja,…

…Auf jeden Fall fahr ich mit dem Rad! Vielleicht kommt der Schnuckel-Typ ja auch. Der sah schon geil aus… *sfz*
Bald fängt Penne wieder an. Da hab ich voll keinen Bock drauf! Was soll ich denn da? Die Hälfte von uns landet eh bei McDonalds. Und die andere bei Burger King! *gg*
Aber Fast Food ist ja cool. Geht man nur voll fett auseinander von. Will doch nicht dick werden, muss den Kerlen ja den Sabber in die Fresse bringen.
Ob ich ihn wieder sehe?
Okay, ich muss mich beeilen. Silke und ich wollten ins Kino!

Gîn@


Ich grinste bei meiner Unterschrift. Typisch! Wie konnte meine Mutter mich auch Virginia nennen. Da kamen doch immer alle auf so ein tolles Wort, was sich prima auf mein Geschlecht(steil) bezog. Ich seufzte, behielt das Grinsen aber im Gesicht.
Den Typen hatte ich ja ganz vergessen. Was er wohl gerade tat? Ob er in Magdeburg wohnte?
Eher nicht. Zu der Zeit hatten viele Touristen hier Urlaub gemacht. Weiß der Geier warum.
Ich beschloss meiner Mutter mal Gesellschaft zu leisten und wenn ich schon mal dabei war, sie über Opa’s Tod auszuquetschen. Es war zwar nicht so toll, aber ich hatte schließlich als Enkelin auch ein Recht darauf zu erfahren warum er gestorben ist.

„Hi Mum“ Meine Mutter saß vor einer Tasse Tee und blies Trübsal. Sie brauchte dringend einen Freund!
„Hey…“ „Wann ist morgen die Beerdigung?“ Anstatt zu antworten sah sie noch trauriger aus als sie eh schon war.
„Erde an Mama!!!“ Ich fuchtelte vor ihrem Gesicht rum. „2 Uhr verdammt!“
„Und woran ist er gestorben?“ Mum zuckte die Schultern. „Wie…?“ Ich zuckte auch mit den Schultern, nur etwas übertriebener.
„Sie wissen es nicht. Er war auf einmal tot.“
Oh…das war hart.
Ich beschloss sie lieber alleine zu lassen und Silke und Ronja eine SMS zu schreiben.
Hey Süße! Ich bin wieder unter den „Lebenden“! *gg* Bock übermorgen oder so zu treffen? Lieb dich! Gina!!!
Die schickte ich an Beide. Eine von Beiden würde ja Zeit haben.
Prompt kam auch schon die Antwort.
Silke: Sorry. Nein. Silke
Ronja: Geht nicht. Tut mir Leid. Ronja
Hatten die sich abgesprochen?
Warum waren die so kalt? Ich meine ich war 4 Monate weg vom Fenster und jetzt kam nicht mal ein Juchuuu oder ein Geil oder so…
Schon seltsam!

~*~

2. Kapitel

Naja, wie auch immer.
Heute war die Beerdigung. Bei dem Wort steckte mir wieder ein Kloß im Hals und die Tränen liefen mir über die Wangen.
Die Tränen wegwischend tappte ich ins Bad und ging unter die Dusche.
Was war eigentlich in den 4 Monaten in denen ich im Koma war?
Wurde ich da auch gewaschen… Was ein Scheiß fiel mir da ein?
Moment mal, Dezember. Heute war der 3. Dezember.
Vor knapp 20 Tagen war ich 15 geworden!
Ein Schrei kam aus meiner Kehle und ich fing an für mich Happy Birthday zu singen. Wie geil!
Ich war 15. Die ganze Trauer war verflogen und ich hatte ein Grinsen im Gesicht.
15…15…15…hämmerte es die ganze Zeit in meinem Kopf. Wie sehr hatte ich diesen Tag geplant.
Rasch aus der Dusche gesprungen, Handtuch um Haare und Körper gewickelt rannte ich zu meiner Mutter ins Schlafzimmer.
„Mama!!“ Grummelnd drehte sie sich um und zog sich die Decke über den Kopf. „Wann bekomme ich mein Geschenk?“
Mit einem Schlag saß meine Mutter kerzengerade im Bett und stierte mich wütend an. „Raus!“
Erst jetzt wurde mir bewusst, was ich da eben gesagt hatte. Ich hätte mich töten können. Anstatt an Opa zu denken, und zu trauern, fing ich hier an Happy Birthday zu singen und von Geschenken zu reden.
Ein paar Tränen suchten sich den Weg über meine Wangen und ich zog mir eine schwarze Hose und einen weißen Pullover an, der mir viel zu groß war.
Dann ging ich wieder ins Bad und fing an meine Haare zu föhnen. Wie ich das hasste, es war so zeitraubend.
Vor allem, wenn man wie ich einen Ponni hatte, und den auch noch wegen einem bescheuerten Wirbel stundenlang auf die eine Seite rüber föhnen musste.
Ich verschwendete viel zu viele Gedanken an meine Frisur. Einfach einen hohen Zopf und fertig. Dann noch die schwarze Baskenmütze und 2 Uhr konnte kommen.
Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass es erst 10 war. Seufzend pflanzte ich mich auf die Küchenanrichte. Was sollte ich in 4 Stunden machen? Hunger hatte ich keinen und auf TV hatte ich keinen Bock.
Kurzerhand schrieb ich meiner Mutter einen Zettel und schnappte mir meine Jacke.
Christina würde sich bestimmt freuen, wenn ich sie besuchen würde. Ich fing an mich durch den eisigen Wind zu kämpfen.
Zum Glück wohnte sie nur ein paar Straßen weiter und ich musste nicht so lange laufen.
„Wirtz!“, meldete sich die Stimme am Teil zum Sprechen. „Ja, hallo, hier ist Gina, ist Christina vielleicht da?“ Kurzes Schweigen. „Ja. Klar, komm hoch!“ Der Summer ertönte und ich drückte gegen die Tür.
Die paar Stufen waren schnell geschafft. Die Haustür der Wirtz’s stand offen.
„Nana?“ Kurzes Fußgetrappel und zwei Sekunden später lag ich fast auf dem Boden.
„Giiiiiiiiiina! Was machst du hier? Ich… du…. Deine Mutter….Silke und Ronja….du…Koma….“ Mehr verstand ich nicht.
„…Nana, ganz ruhig!“ Der Kosename wirkte beruhigend sie atmete zwar immer noch schneller als ihr gut tat, aber sie hielt ihre Klappe. (Anmerkung d. A.: Das passiert in Real nie =) Wie hatte ich sie vermisst, meine beste Freundin.

~*~

3. Kapitel

„Nana.. kannst du mich loslassen? Ich bekomm keine Luft mehr!“ Ich grinste und sie ließ mich –endlich- los. Sie starrte mich an. „Weißt du was ich mir für Sorgen wegen dir gemacht habe!“
Ich seufzte. „Nein, Maus, aber ich kann’s mir gut vorstellen. Das Wichtigste ist doch, dass ich wieder da bin!“
Christina nickte. „Aber“, sie zog ihre Sweatshirtjacke enger um sich, „dir geht’s ansonsten gut, oder ist irgendwas passiert?“ „Opa ist gestorben, heute ist Beerdigung ich wollte fragen ob du mitkommst.“
Sie sah mich einen Moment mit geweiteten Augen an. „Jupp ist tot? Oh… Oh Mausi! Mein Beileid! Aber ich kann nicht mit. Meine Eltern wollten heute mit mir einkaufen fahren, das ist auch der Grund warum ich jetzt schon wach bin.“
Ein leichtes Lächeln zeigte sich auf ihren Lippen. Ein Blick auf die Uhr und ich stellte fest, dass es bereits halb 12 war.
„Ich werde dann auch mal.. Mama macht sich sicher schon Sorgen wo ich bin.“ Eine lange Umarmung und unzählige Küsschen später war ich zu Hause.
„Wo warst du denn?“ Meine Mutter empfing mich schon an der Tür. „Bei Christina!“ Ein kurzes Lächeln zeigte sich auf den Lippen meiner Mutter.
„Wir müssen bald los. Es kommen doch mehr Gäste als erwartet!“ Ich stutzte. „Wer denn noch? Wer kommt überhaupt?“ Ich grinste.
„Naja, also wir Beide, die Geschwister von Opa, die Seniorenabteilung vom Schützenverein und Christa mit Familie. Jetzt kommen von Opas Bruder auch noch die Tochter und der Sohn, weil sie Opa wohl einmal gesehen haben, oder so, ist mir auch egal. Ich hoffe mal das sie nicht so lange bleiben…“
„Mama!“, gespielt empört tat ich die Hände in die Hüften. Mum kicherte, wurde aber sofort wieder ernst.
„Findest du nicht auch, dass es ohne ihn ziemlich ruhig ist?“ „Ja, man merkt das was fehlt.“
Meine Mutter umarmte mich. Es tat gut, dass sie genauso down war wie ich, auch wenn ich es nicht so zeigte.
„Sollen wir dann auch langsam fahren?“ Ich lief ein paar Schritte Richtung Auto. Mum holte die Schlüssel und wir setzten uns.
Es wurde wieder still. Wir hatten Opa normal immer dabei gehabt, wenn wir wegfuhren. Jetzt war er nicht mehr da.
Ich merkte wie mir schon wieder die Tränen kamen und kämpfte, so gut es ging, dagegen an.
Langsam fuhr meine Mutter die Ausfahrt raus, setzte den Blinker und fuhr rechts ab. Wie hypnotisiert starrte ich aus dem Fenster, den immer schneller werdenden Bäumen entgegenstarrend, dachte ich an die Zeit, als Opa zu uns gezogen war.
Bilder tauchten vor meinem inneren Auge auf. Wie er lachend die Kisten mit seinen Sachen in unser Haus schleppte, oder wie er mir, als ich noch ganz klein war, eine Geschichte vorgelesen hatte und ich dann in seinen Armen eingeschlafen bin.

„Elvira! Wie geht es dir? Und Virginia, alles in Ordnung? Mein herzlichstes Beileid!“ Christa kam uns entgegen, zusammen mit meinen 3 kleinen Cousinen Hannah, Helen und Jana.
Sie waren total süß, nervten aber leider tierisch, wie es bei jüngeren Cousinen nun mal war.
Die Andacht wurde in einer kleinen Kapelle am Friedhof abgehalten. Den Pfarrer kannte ich, er hatte mich konfirmiert.
Ich winkte ihm zu als er seinen Text noch mal durchlas und er lächelte mich kurz an, vertiefte sich dann aber wieder in seine Unterlagen.
Seufzend schlenderte ich durch die kleine Kapelle. Die Fenster waren immer noch das Schönste. Wunderbar bunt waren sie, wie überall.
Die Bänke waren aus massivem Kiefernholz und glänzten, als wären sie nur für Opa gebohnert worden.
Ich wischte mir die Tränen aus den Augenwinkeln. Warum musste Opa nur sterben? Gerade er?

God will make a Way
When there seems to be no Way
He works in Ways
We cannot see
He will make a Way for me
He will be my Guy


Warum? Warum fielen mir gerade diese Zeilen ein? War es vorherbestimmt dass er starb? Wenn ja, warum?...
„Die Fenster sind schön, gelle?“ Ich zuckte zusammen und drehte mich dann um. Ein braunes Augenpaar starrte mich unverwandt an.
„Äh… ich… ja. Schön. Äh…“
„Gina! Kommst du bitte!“ Ich sah noch einmal in die braunen Augen, dann rannte ich zu meiner Mutter, die bereits in der ersten Reihe saß und ich pflanzte mich neben sie.
Der Schützenverein marschierte ein und zum Schluss der Pfarrer.

Ich hörte bei seiner Andacht gar nicht wirklich zu. Es waren eigene Gedanken die mich beschäftigten. Opa war 73 gewesen. Woran war er gestorben?
Einen Herzinfarkt konnte ich mir bei ihm bei besten Willen nicht vorstellen. Warum gerade er?
Opa war immer fit wie ein Turnschuh, er ist jeden Sonntag mit mir mit dem Fahrrad zur Kirche gefahren, oder als ich joggen war, ist er immer mit dem Fahrrad nebenher gefahren, damit er, wie er gesagt hat „Auch mal was für seine Figur tue“.
Ich musste lächeln.
Opa war schon ein Vogel gewesen.

„…ich bitte sie sich zu erheben…“ Wie in Trance stand ich auf und folgte dem Zug der über den Friedhof lief, zu dem Grab, das wir für Opa gekauft hatten.
„Gina? Willst du schon gehen und dich verabschieden?“ Meine Mutter drückte mir eine Rose in die Hand.
„Ich würde gerne als Letztes.“
Meine Mutter nickte und ging zusammen mit Christa und meinen Cousins zum Grab. Ich stellte mich nach ganz hinten an das Ende der Schlange.
Ich wusste nicht wie lange ich wartete, aber ich hatte im Gefühl, dass es sich lohnen würde zu warten.
Zum Schluss war nur noch der Pfarrer übrig. Er nickte mir zu und ging dann auch. „Mein Beileid, Gina.“ Er lächelte mich an.
Ich lächelte matt. Dann wandte ich mich wieder dem Grab zu.

„Wieso? Opa, du weißt doch wie viel du mir bedeutest? Wie viel ich dir bedeutet habe! Ich war so glücklich als du bei uns eingezogen bist, war es ein Zeichen, dass wir uns immer so gut verstanden haben?
Ich weiß nicht, warum du von uns gegangen bist, Opa, und ich würde alles dafür tun um es zu wissen, vielleicht werde ich es ja auch irgendwann einmal erfahren, aber DU Opa, du warst das Wichtigste was in meinem Leben je war.
Und nun bist du fort, und keiner kann dich zurückholen!
Ich hasse mich dafür, dass ich im Koma war, vielleicht warst du traurig, ich weiß es nicht, ach Quatsch, natürlich warst du traurig, ich bin deine Enkelin, oder war? Bin ich trotzdem deine Enkelin obwohl du tot bist? Sag es mir! SAG ES MIR VERDAMMT NOCHMAL!
Opa…“
Ich brach weinend auf den Knien zusammen und warf meine Rose ins Grab. Weg, für immer würde er jetzt weg war.

Und als ich mich noch mal umdrehte und auf Opas Grab sah, wusste ich, dass ich nie wieder um ihn trauern würde, denn alle meine Gefühle für ihn, waren verschlossen in seinem Geist.

~*~

4. Kapitel

Piep…Piep…Piep

Genervt ließ ich meine Hand auf den Wecker knallen, der daraufhin auch sofort verstummte. Nur meine Hand pochte jetzt, der Tag fing ja schon prima an.
Seit Opas Beerdigung waren 5 Tage vergangen. 5 Tage voller Langeweile, sinnlosem Da sitzen und aus dem Fenster starren. Ich hatte zumindest in Französisch und Englisch die kompletten Vokabeln nachgelernt und mit Christina mittags die Hausaufgaben gemacht, da sie ja zur Schule musste.
Der Arzt hatte gemeint, dass ich erst mal warten sollte, bis ich wieder topfit wäre. Mir sollte es recht sein, kein Mathe und kein Erdkunde! Das schönste Geschenk, was man einer 15-jährigen mit diesen Lehrern machen konnte.
Christina und ich hatten uns für den heutigen Samstag zum Eislaufen verabredet. Wir beide hegten eine große Leidenschaft für diesen Sport, es war ein tolles Gefühl über das Eis zu düsen und sich hin und wieder auch mal auf den Hintern zu legen.
Seufzend ließ ich mich wieder zurück in die Kissen fallen. Die braunen Augen gingen mir nicht mehr aus dem Kopf. Er wirkte so sympathisch, hatte aber dennoch etwas Mystisches an sich. Er wirkte so unnahbar, und doch so zum greifen nah.
Hoffentlich würde ich ihn irgendwann mal wieder treffen. Man konnte mit ihm bestimmt schön quatschen.
Warum musste Mum auch in diesem Moment rufen? Ich hätte ihn nach seiner Handynummer fragen können. War er auf der Beerdigung gewesen? War er vielleicht einer von den Enkeln von meinem Großonkel? Oder war er nur aus Spaß da gewesen?

Ich ließ meinen Blick durch mein Zimmer wandern, über meinen Fernseher, meine Anlage und mein Keyboard, ich konnte gar kein Keyboard spielen. Es hatte meinem Vater gehört, er war begnadeter Musiker gewesen, bis er einen Unfall hatte. Das war bevor wir umgezogen waren. Seitdem besitze ich sein Keyboard. Er hatte mich immer auf seinem Schoß gehabt und mit mir zusammen gespielt.
Mein Vater war ein toller Mensch gewesen, immer zu Späßen aufgelegt, auch wenn ich das mit meinen damaligen 8 Jahren noch nicht so gut beurteilen konnte.
Ein Bett hatte ich nicht, nur eine überdeminsionale Matratze die in einer Ecke auf einem etwas erhöhten Podest lag.
Die Wände waren in einem sanften, hellen Grün gehalten und der Boden hatte Korkbelag.
Ich mochte mein Zimmer sehr, auch wenn ich die Meiste Zeit außerhalb verbrachte. Mein PC und mein Kleiderschrank standen schräg gegenüber vom Bett.
Langsam stand ich auf und ging zu eben diesem besagten Kleiderschrank und holte mir einen dunkelbraunen Rock der bis übers Knie ging. Darunter würde ich eine dunkelrote Leggings anziehen und ein dunkelrotes ¾ ärmellanges Shirt. Dazu meine braunen Chucks.
Dann ging ich duschen, zog mir die Sachen an und schminkte mich dezent. Meine Haare würde ich heute in zwei lockere Zöpfe flechten und den Ponni würde ich wie immer lassen. Zum Glück hatte ich Mama am Montag direkt zum Frisör geschleppt.

Als ich runterkam war es bereits 11 Uhr. Meine Mutter war wie immer nicht zu Hause, Samstags war sie immer Produkte verkaufen, wo der Erlös an Kinder in Afrika gespendet wurde.
Um 12 Uhr war ich mit Christina an der Eissporthalle verabredet. Es blieb mir also noch genug Zeit um gemütlich zu frühstücken und mal wieder in mein Tagebuch zu schreiben. Ich liebte es meine Gedanken nieder zu schreiben, oder Gedichte und Texte, ich konnte es, meiner Ansicht nach zwar nicht, voll gut, wie Christina immer steif und fest behauptete.
Also setzte ich mich mit einer Schale Müsli an den Esszimmertisch und schlug das kleine Notizbuch auf.

9. Dezember 2004
Liebes Tagebuch!
Es ist schon ziemlich lange her, dass ich das letzte Mal meine Gedanken aufgeschrieben habe.
Aber das hat ja seine Gründe, ich lag im Koma, knappe 4 Monate und ich weiß rein gar nicht was in der Zeit alles passiert ist, bis auf das Opa gestorben ist.
Das habe ich aber hinter mir gelassen, also werde ich es auch nie wieder erwähnen.
Nana und ich gehen heute Schlittschuhlaufen… wird bestimmt voll funnig *gg*
Bei Opa am Grab sind mir ein paar Zeilen eingefallen, ich dachte ich schreib sie mal auf…

+~* Zum ersten mal alleine
in unserem Versteck.
Ich seh' noch unsere
Namen an der Wand
und wisch' sie wieder weg.
Ich wollt' dir alles anvertrau'n,
warum bist du abgehau'n?
Komm zurück, nimm mich mit.*~+


Naja, noch nicht sehr viel, aber ich arbeite daran. Ich werde es schaffen einen Song zu schreiben…xD… Und wenn ich Keyboard lernen muss!
Gîn@


Die Zeilen waren mir wirklich am Grab eingefallen. Ich habe daran gedacht, wie wir früher immer an einem See waren und uns dort durch Büsche und Gestrüpp gekämpft hatten. Wir hatten dort eine richtige kleine Höhle nur für uns alleine, irgendwann würde ich noch einmal dahin gehen, und mir alles noch mal einprägen…

Als ich noch mal auf die Uhr sah, war es bereits 20 vor 12. Ich schnappte mir meine Tasche, zog meine Jacke und meinen Schal an und schloss dann die Haustür hinter mir. Zum Glück war es kein langer Weg bis zur Eishalle und ich war nach 10 Minuten dort. Von Christina war noch weit und breit keine Spur.
Ich seufzte. Normalerweise war sie immer 3 Stunden vorher da. Fröstelnd lehnte ich mich an eine Eisenstande und malte Kreise mit meiner Fußspitze auf den Boden.
Wie ich es hasste zu warten…

„…doch?!“ Häh? Hatte da wer was gesagt? Mir wurde von hinten auf die Schulter getippt. Da waren sie wieder, diese braunen Augen. „Äh,… hallo…“ Der Typ grinste. „Ich wusste doch das ich dich kenne… schön dich wieder zu sehen… ich bin Gustav, wie heißt du? …“

~*~

5. Kapitel

„…du bist nicht eine von der schnellen Sorte, was?!“ Gustav, so wie er anscheinend hieß, grinste mich unaufhaltsam an. „Äh…ja… nein… äh… keine Ahnung! Woher soll ich das denn wissen?“
Der Junge, beziehungsweise Gustav, grinste immer noch. War dem das Lächeln ins Gesicht gemeißelt worden? Voll das Honigkuchenpferd.
Ich musste lächeln. Er lehnte sich neben mich und sah in den Himmel. „Es war dein Opa der gestorben ist, nicht wahr?! Ich hab dich am Grab stehen sehen…“, genau das sagte er. Das und kein Wort mehr. Er sprach mich nicht auf die Tränen an, der Junge gefiel mir immer besser.
„Gehst du auch Schlittschuhlaufen?“ Ich nickte. „Meine Freundin müsste gleich hier sein, wir wollten uns um 12 Uhr treffen.“ „Ist ja gleich.“ „Hm…joa…“, ich grinste ihn an. „Und du? Ich meine, mit wem gehst du?“ „Mit 3 Kumpels, die müssten auch bald kommen.“ „Aha…“
Aus seinem MP3-Player hörte ich Musik, er hatte ihn anscheinend angelassen. „Du hörst System of A Down?“ Gustav sah mir wieder in die Augen. „Du auch?“
„Eher seltener, aber das Lied habe ich auch zu Hause auf dem PC!“ „Cool.“
Was für eine sinnlose Unterhaltung. Ich beschloss schon mal zum Eingang zu gehen und dort auf Christina zu warten.
„Wir sehen uns…“ Ich winkte Gustav noch mal. Er war wirklich nett. Wie alt er wohl war? Ach, was dachte ich überhaupt über ihn nach…
Denk an das Schwimmbad, Süße, einfach nur ans Schwimmbad, an den schnieken Typen!
„Virgin!“ Genervt drehte ich mich zu Christina. Wie sehr ich diesen Spitzname hasste. „Du weißt genau, dass ich es nicht mag, wenn du mich so nennst!“, zeterte ich à la Zicke sofort los.
Nana hob beschwichtigend die Hände. „Sorry, Süße!“ Ich versuchte ein Lächeln zu unterdrücken, schaffte es aber nicht, was einen Jubelschrei Nana-seits nicht zurückhalten konnte.
Ich musterte íhre Klamotten und grinste. Man konnte uns ansehen, wie unterschiedlich wir vom Musikgeschmack her waren. Während sie der totale HipHop-Freak war, hörte ich ausschließlich „Die Ärzte“ und „System of A Down“. Ich war mit den Ärzten sozusagen groß geworden, was ich nicht nur allein meinem Vater zu verdanken hatte.
Trotzdem waren Christina und ich unzertrennlich, wäre ja auch Quatsch gewesen, das wir nur wegen unsere Musik nicht mehr befreunden wären.
„Komm…es ist schon 15 nach 12! Was trödelst du auch immer so!“ „Mama hat auf einmal auf Mutter-Tochter-Tag gemacht! Ich musste die erstmal loswerden!“
“Jaja…“ „Nee, lass mal…“ Wir grinsten uns an und betraten dann die große Eishalle. Die Eishockeymannschaft trainierte gerade, das konnte man aus der Eingangshalle sehen, da die Wände aus Glas waren.
„Zugucken?“ Nana nickte und wir bezahlten die 4 Euro Eintritt. Unsere Schlittschuhe nahmen wir so mit rein und setzten uns auf eine Bank auf den höheren Rängen.

„Gina…?“ „Hmm?“ „Wer stand eigentlich vorhin bei dir? Ich meine der Typ…“ Sie grinste mich unaufhaltsam an. Was die wohl wieder dachte!
„Ganz bestimmt nicht das für mich, was du wieder denkst, Nana! Das war der Typ von Sonntag, von dem habe ich dir doch erzählt…“ „Ja stimmt! Und? Wie ist er so? Nett? Wie alt?“
„Mensch Nana!“ Christinas Grinsen wechselte ins schelmische, wie sehr ich das an ihr liebte. Das sie jede Situation, so ernst sie auch war, mit ihrem komischen Humor ins lächerliche ziehen konnte.
„Ne, jetzt aber mal ernst! Nett?“ „Ja. Hört auch System of A Down und heißt Gustav. Schätzungsweise 15 oder 16…“ „Hm…“, profimäßig lehnte Christina sich zurück. „Hört sich nicht schlecht an…Sieht er gut aus?“ „Boah Christina! Du bist so was von oberflächlich!“ „Du doch auch!“
„Nein!“
„Doch!“
„Nein!“
„Doch!“
„Scheiß drauf!“
„Wohl wahr…“ Ich verzog das Gesicht. „Vulva? Wirst auch immer perverser!“
Nana’s Blick wurde abschätzend und wirkte – wie immer- arrogant. „Laber hier keinen von Poolbar!“
Wir brachen in schallendes Gelächter aus. Dieses „Missverständnis“ war uns einmal mit Ronja passiert. Jeder hatte was anderes verstanden, seitdem verarschten wir uns immer gegenseitig damit.
Very lustig…

Plötzlich sprang Christina auf und schrie unsere Hockeymannschaft etwas zu, worauf grölende Antwort kam.
Einige Jungs waren aus unserer Klasse, beziehungsweise meiner alten 8. Sie hatten mich vorhin zum Glück nicht gesehen.
Nana sprang auch gleich auf und zog mich runter auf die Eisbahn, wo uns schon 3 Gestalten erwarteten.
Patrick, David und Philipp, genannt Phil. Die drei süßesten Jungs, meine besten Kumpels. Ich wurde auch sogleich „umgerannt“ und gedrückt und geknuddelt was das Zeug hielt.
„Phil…keine Luft…“ Ich hustete und drückte Phil von mir weg, alle 4, Christina eingeschlossen, grinsten mich an.
„Zum Glück bist du wieder da, Ziege.“ David grinste. „Immer!“ Ein Pfiff störte die Fünfsamkeit.

~*~

6. Kapitel

„Okay Jungs, Schluss für heute… Die drei sind ja eh beschäftigt!“ Christina und ich grinsten uns an. Typisch Walter, immer zu Späßen aufgelegt.
Die 3 Jungs gingen mit den anderen in die Umkleide und wir zogen uns die Schlittschuhe an.
„Du weißt gar nicht wie sehr die dich vermisst haben. Einmal in der Woche waren sie mindestens im Krankenhaus. Vor allem Patrick…“
Wie hieß es noch mal? Das was man hören will, hört man, und das was man nicht hören will, überhörte man. Ich weiß nicht ob ich jemals wirklich verstanden hatte, das Patrick schon länger ein wenig mehr als nur eine Freundin in mir sah, ich weiß auch nicht, was passiert wäre, wenn ich Gustav nicht getroffen hätte, aber ich bin mir sicher, das ich alles was passiert ist, nicht mehr ändern würde, wenn ich die Chance gehabt hätte.

„Na Darling, darf ich bitten?!“ Patrick hielt mir die Hand hin, jetzt wieder in normalen Klamotten, aber immer noch mit seinen Eishockey-Schuhen. Sah richtig drollig aus. „Natürlich mein Herr“, ich fing an zu kichern. Nicht gerade Lady-Like, aber egal…
Ich fasste seine Hand und er zog mich, meiner Ansicht nach VIEL zu schnell, über das Eis. Wie sehr hatte ich dieses Gefühl vermisst!
Christina und die 2 anderen fuhren in einem etwas langsameren Tempo hinter uns her. Hatten die sich abgesprochen?
„…ich bin froh, dass du wieder da bist!“ Patrick sah mich mit einem undefinierbaren Blick an.
„Hm…hat Nana schon gesagt… Ich kann es irgendwie immer noch nicht fassen das ich weg war!“
Wir drehten eine weitere Runde, Christina. Phil und David liefen nun ein paar Meter vor uns, weil wir – zum Glück – langsamer fuhren, und machten nur Quatsch.
Christina musste darunter leiden, sie lag mittlerweile schon zum 3. Mal auf dem Hintern und versuchte sich wieder aufzurappeln.
Ich sah mich ein wenig um, viele waren noch nicht hier. Ich dachte Gustav wollte mit seinen Kumpels auch Eislaufen? Ich hätte ihn gerne den anderen vorgestellt.
„…sein? … HALLO? Erde an Gina!“ Patrick fuchtelte mir mit seiner Hand vor dem Gesicht rum. „Was? Sorry, war gerade in Gedanken!“ Ich lächelte und lief leichtrot an. „Wie süß! Naja, ich habe gefragt wie es sich angefühlt hat im Koma zu sein?!“
Nachdenklich sah ich auf den Boden, wir schlidderten jetzt nur noch ganz langsam. „Weißt du, ich kann es dir nicht wirklich sagen, es ist –Warte!“, ich hielt ihn an der Hand fest und blieb stehen, er tat es mir gleich und sah mich erwartungsvoll an.
Er ließ die Hand nicht los.
Ich seufzte, „es ist als würde man schlafen, verstehst du? Man bekommt nur vieles miT was in der Umwelt passiert. Ich weiß das du manchmal neben meinem Bett gesessen hast, oder David oder Phil, ich habe euch gespürt…, ich konnte dich zwar nicht sehen, aber mein Unterbewusstsein hat es mir irgendwie gesagt. Und ich habe es gefühlt…“, ich nahm seine Hand und legte sie auf mein Herz, „hier drin!“
Patrick blieb ruhig, er sah mich einfach nur an und sagte nichts auf meine ’versuchte’ Erklärung.
Ich sah zurück.
In diese Wahnsinns blauen Augen. Er öffnete den Mund. „Ich glaube ich weiß was du meinst, ich glaube ich kann verstehen wie es sich angefühlt hat, zu wissen… ohne zu sehen…“ Er befreite langsam seine Hand und zog mein Kinn hoch.
Dann beugte er sich langsam zu mir runter. Wie paralysiert ließ ich es geschehen, ich hörte nichts mehr und sah nichts mehr, außer ihm.
Wenn wir das machen, wenn wir uns jetzt hier küssen… dann ist unsere Freundschaft im Arsch, schoss es mir durch den Kopf.

Aber ich konnte mich nicht bewegen, wie im Bann sah ich in diese Augen. Sie waren so faszinierend. Der Schlüssel zu seiner Seele!
Patrick war jetzt nur noch ein paar Millimeter von mir entfernt. Er durfte nicht! Alles schrie in meinem Kopf, und endlich riss ich mich von ihm los.
„Ich… das geht nicht Patrick!“ – „Ist okay, ich hab Zeit!“ – „Nein!“ Erwiderte ich aufgebracht. „Es geht überhaupt nicht, verstehst du? Ich… wir sind Freunde verdammt! Es würde doch alles kaputt brechen!“
Patricks Gesichtszüge entgleisten. „Okay! Dann nicht, aber merk dir eins, ich war das letzte Mal mit euch unterwegs! Hast du ne Ahnung wie lang ich auf so was warten musste? NEIN! Hast du ne Ahnung wie verletzt ich mich jetzt fühle? NEIN! Also halt den Rand und mach hier nicht eine auf ’Mutter Theresa’ –“
„Hey! Du da!“ Genervt drehte ich mich um, die Wuttränen in den Augen. Wie konnte er so was sagen? Das war 1) total gemein 2) total gemein und 3) TOTAL GEMEIN!
Patrick hinter mir schnaubte als er die 4 Jungs sah, die mich angesprochen hatten. Einer von ihnen war Gustav.
„Pass bloß auf, die ist voll die Schlampe!“ Er lachte kurz, dann fuhr er an mir vorbei und winkte wie ein Spasti.
„Boa, geht’s dir nicht mehr gut? PATRICK!“ Ich fuhr so schnell ich konnte hinterher und hielt ihn am Arm fest. Auf die anderen hatte ich gar nicht mehr geachtet.
„Nur weil Mr-Ich-bin-ja-so-toll-und-ich-krieg-alle mal EINE Abfuhr bekommen hat, ja, EINE!, musst du hier nicht rumlabern von wegen ich wäre ne Schlampe! Ich bin gerade erst 15 und-„ „Ja, Happy Birthda…“ KLATSCH.

Wütend holte ich aus und klatschte ihm eine. „Du bist doch krank!“ Er hielt sich die Wange, auf der jetzt ein wunderschöner roter Handabdruck zu sehen war. „Bekloppt…“ Er drehte sich langsam um und fuhr an die Wand, dann ging er aus der Halle raus. Asta la Vista!
Kaum war er weg, brach ich in Tränen aus.

Mein bester Freund! Er konnte doch nicht einfach so... mich als Schlampe bezeichnen, nur weil ich nicht von ihm geküsst werden wollte!
„Gina“ Christina kam angefahren. „Hey…Ganz ruhig, Maus! Beruhig dich!“
Ich schlug ihre Hand weg. „Lasst mich doch alle in Ruhe.“ Christina sagte nichts. „Ich gehe, ja? Ruf mich an wenn es dir besser geht.“ Sie lächelte, drückte mir noch einen Kuss auf die Backe und war dann auch verschwunden. Dafür liebte ich sie, wenn man in Ruhe gelassen werden wollte, ließ sie mich in Ruhe und wenn ich sie brauchte war sie immer für mich da!

~*~

7. Kapitel

I get a feeling I can’t explain

Weg. Dieses Wort hämmerte nun schon seit Minuten in meinem Kopf.
Er hatte mich als Schlampe bezeichnet. Einfach so, weil ich ihn nicht küssen wollte. Das war doch krank!
Dachte er etwa wenn er mich küssen würde, würde ich mitmachen? Als würde ich einfach auf den On-Knopf drücken und Gefühle für ihn haben!
Man kann Gefühle weder erzwingen noch auf einmal abstellen.
Das Eis unter mir war kalt. Mein Rock war nass und mir war alles andere als warm.

Über mir hörte ich Stimmen. „Sprich du sie an!“ Ich glaube das war Gustav’s Stimme! Naja, eigentlich war es mir eh relativ egal.
Ich wollte nur alleine sein!
Neben mir schwankte jemand und lag auch kurz darauf neben mir. Ich starrte immer noch das Eis an. Dieses grau-weiße etwas.
Trotz meiner Stimmung fing ich an zu kichern.

„Sie kann lachen!“ Das war der, der neben mir lag. Allerdings klang das etwas sarkastisch.
„Ja, komm, wenn du schon neben ihr liegst, kannst du sie auch ansprechen!“
„Wieso sollte ich? Bill kann doch auch…“
Schnauben. „Und warum ich?“
„Sie hat auch Nagellack drauf!“
„Das ist noch lange kein Grund!“
„Auf jeden!“
„Ich weiß ihren Namen nicht einmal!“
„Gina, das war wohl schwer zu überhören!“
„Komm Mr-Oberschlau, dann hau mal rein!“
Stille.

Das einzigste was ich hören konnte war das leise ein- und ausatmen von mir und den 4 anderen.

„Gina?“
Erleichtert sah ich auf. Moment mal. Zurückspulen und Standbild! ERLEICHTERT? Hatte ich nur darauf gewartet das sie mich ansprachen?
Das sie mich trösten, bemitleiden oder sonstiges?
WOLLTE ich das sie mich ansprachen? Wollte ich es?

„Ja?“ Verdammt. Meine Stimme war ein Krächzen, mein Hals tat vom Weinen weh und meine Schminke saß bestimmt überall, nur nicht da wo sie sollte.
Der Typ neben mir versuchte sich aufzurappeln, lag aber 2 Sekunden später schon wieder.
„Willst du nicht aufstehen?“
„Nein!“ Er fing an zu lachen. „Wenn du nein sagst, aber den Kopf schüttelst heißt das für mich JA, also steh auf, du holst dir noch den Tod!“
Ich nieste.

„Was hab ich gesagt?“ Er lachte. Genauso wie Gustav und die anderen 2. Der Junge, er hatte es mittlerweile geschafft hatte aufzustehen, hielt mir seine Hand hin.
„Komm…wir beißen nur manchmal!“ Er grinste frech.
„Will ich auch hoffen…ich beiß nämlich zurück!“

Gustav und die anderen 2 waren schon dabei zum Rand zu laufen und sich die Schlittschuhe auszuziehen.
„Lachen steht dir…“
Ich merkte wie ich rot anlief.
„Das auch!“
Ich fing an zu lachen und nahm seine Hand, er half mir auf.

„Gina, schön dich kennen zu lernen!“ Er verbeugte sich. „Mein Name ist Tom, Madame!“
Ich kicherte und machte so gut es ging einen Knicks.
„Selten in so charmanter Gesellschaft gewesen“, spielte Tom das Spiel weiter.
„Darüber kann ich nicht klagen…“
Ein schiefer Seitenblick.
„Und dieses Szenario, das sich vor ein paar Minuten in diesem kristallenen Saal abgespielt hat?“
„Vergessen wir dies, mein Herr, Hunde die bellen, beißen nicht…“
Wir waren bei Gustav und den anderen angekommen.

Gustav machte gerade den Mund auf, als Tom dazwischen redete. „Madame, ich darf bekanntmachen?! Monsieur Gustav Schäfer, Georg Listing und mein Bruder Bill!“
Ich sah alle der Reihe nach an.
Alle schienen 15, wenn nicht noch älter zu sein.

„Tom, wie redest du?“ Georg hob die rechte Augenbraue. „Vornehm, mein Herr, in so edler Damengesellschaft müssen wir uns gepflegter ausdrücken.“
Gustav hustete. „Fang nicht so an wie bei Dana!“ Schlagartig ließ Tom meinen Arm, den er während der ganzen, kurzen, Fahrt festgehalten hatte, los.
Dana?

„Also…“, übernahm Bill das Wort. „Wir haben schon von dir gehört!“
„Achja?!“
Bill nickte.
„Gustav hat von der Beerdigung erzählt…oh Entschuldigung!“
Ich winkte ab. „Halb so schlimm!“

Tom war verhältensmäßig still geworden. Was war los?

„Willst du was trinken, Gina?!“ Ich nickte. Kurze Zeit später saß ich auch schon in einem der Cafes von Magdeburg.

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8. Kapitel

Whenever your eyes meet mine…

„… und ihr habt also eine Band?!“ Georg grinste und nickte. „Jep, ich bin Bassist, Gustav Drummer, Tom Gitarrist und Bill singt.“
Bill wackelte nur mit dem Stuhl und grinste total cool. „Ich schreib auch die Songs…!“
Hach, nein, was süß. Der war ja richtig stolz.

„Ich schreib auch Texte, und ich hab ein Keyboard, kann aber nicht spielen!“ Gustav lachte. „Warum dann ein Keyboard?“ „Von meinem Vater bekommen…“
Damit war die Sache für mich abgehakt.

Tom saß etwas abseits und nuckelte am Strohhalm von seiner Cola. Die ganze Zeit hatte er kein Wort gesagt, war still, dabei war er vorhin noch so voller Elan gewesen.
„Wir können uns ja mal zusammensetzen, oder?“
Es dauerte ein paar Sekunden bis Tom merkte, das er angesprochen worden war. „Häh?“ Ich kicherte und Bill kippte letztendlich vor Lachen vom Stuhl. Gustav und Georg rollten vor Lachen fast über den Boden und die Bedienung guckte schon komisch.
Was für Chaoten!
„Ja, wenn du mit Bill die Lieder gemacht hast am Anfang… dann könnten wir doch auch…mal…“, ich wurde immer leiser, „wenn… ähm… du nichts dagegen hast, natürlich?!“
Tom lächelte schmal, „Klar… von mir aus!“
Warum kam es mir so vor, dass er mich nicht ernst nahm?!

„Mensch Tom! Jetzt sei mal nicht so depri!“ Gustav setzte sich wieder auf seinen Stuhl, während Georg Bill hoch half.
Warum war er so still? Wegen dieser Dana? Wer auch immer das war.

Mein Handy vibrierte. Eine Sms!

Hoi Süße!
Alles klar bei dir?
Wollte mich wegen letztens entschuldigen!
Wann hast du mal Zeit?
HDL
Ronja =)


Ich seufzte hörbar erleichtert auf. Bill guckte leicht irritiert. „Da hat es aber jemand schwer!“ „Joa!“ Ich grinste ihn an, er grinste zurück und wir fingen an zu lachen.
Er war schon… hm… komisch war das falsche Wort.
Sein Style war wirklich einmalig.
Schwarze Haare, geschminkte Augen, Zungenpiercing und Augenbrauenpiercing… Ich liebte Zungepiercings! Leider durfte ich selber keins…
Zu ihm passte das einfach.
Ganz anders war ja Tom, Hip Hopper Klamotten und Dreadlocks. Der könnte sich echt mal mit Christina anfreunden, die würden sich bestimmt verstehen.

Georg und Gustav waren eher so die Normalos. Warum waren die 4 mir eigentlich nie aufgefallen?
„Keine Ahnung!“
Tom lachte. Hatte ich laut gedacht?
„Ja, hast du, jetzt schon zum zweiten Mal…“ Tom’s Depri-Phase war anscheinend beendet.
„Lach mich nicht aus!“
„Ich lach dich nicht aus, ich lach dich an!“
„Jaja…“
„Nee, lass mal… nicht heute!“

Wir lachten. Bill schüttelte den Kopf und Georg und Gustav saßen neutral in der Mitte. Die waren echt mal total cool die 4.

„Nee, jetzt aber mal Ernst! Ich hab euch vorher noch nie gesehen! Welche Schule seid ihr?“
„Tom und Ich sind auf dem Gymnasium…“ „Hey, ich auch!“ Tom runzelte die Stirn. „Wahrscheinlich sind wir aneinander vorbei gelaufen!“
„Glaubst du doch selber nicht!“
„Stimmt!“ Er grinste wieder.

„Aber…“ Bevor ich den Satz beenden konnte vibrierte mein Handy wieder, diesmal ein Anruf.
Auf dem Display stand >Niklas<. Ich grinste und nahm ab.

„Hey Schatz!“ Niklas war mein Cousin, wir redeten uns aber grundsätzlich mit Schatz an. War ziemlich süß von uns.
Die 4 Jungs verstummten, ich bekam es aber nicht mit.
„Hi Schatzy, hör mal, heute abend ist Party! Bei mir, versteht sich, willst du kommen? Kannst auch welche mitbringen!“
Ich überlegte kurz, sah dann zu den 4 Jungs.
„Party heute abend?!“
Tom und Bill nickten sofort, die 2 anderen schüttelten den Kopf.
„Okay, ich bring auf jeden Fall 2 Jungs mit, ich frag Nana noch, ja?!“
„OK, Schatz! Bis heute abend dann! Ich liebe dich!“
Ich lachte.
„Ich dich auch!“

Bill sah mich schief an. „Dein Freund?“ Tom sah gebannt zu mir. Genauso wie die anderen 2. Das war ja wie ein Verhör!
„Nur mein Cousin!“
„Asoo…!“
„Und warum kommt ihr 2 heute nicht?!“
Tom lachte. „Echt mal! Kameradenschweine!“
„Urlaub!“
Wir nickten.
„Jaja, Ausrede!“, sagten Tom, Bill und ich gleichzeitig.

Wir sahen uns an und lachten. Nein wie geil…
„Boa…da haben sich ja welche gesucht und gefunden!“ Georg grinste.

„Naja, also wie spät dann heute Abend?!“ Bill fing wieder an mit dem Stuhl zu wackeln. „Hm, so gegen 8?“
„Cool, wir holen dich ab, wo wohnst du?“
„Linienstraße 7. Ich muss dann jetzt auch los!“

„Klar, dann bis nachher!“
Tom sprang auf und umarmte mich. Überrascht ließ ich es zu. Soo viel Zärtlichkeitenaustausch war ich so schnell nicht gewohnt.
Ich brauchte Zeit um zu vertrauen.
Vor allem wegen…

„Ciao dann!“ Bill umarmte mich ebenfalls.
Gustav und Georg umarmten mich gleichzeitig.

Man was waren die alle süß. Ich grinste und winkte noch mal als ich am Schaufenster vorbeiging.

~*~

9. Kapitel

My heart spins in circles and I lose all space and time

Tom.

Bill sah noch ein paar Sekunden aus dem Fenster und drehte sich dann wieder zu mir. Georg und Gustav hatten kurz nach Gina das Cafe verlassen.
Sie mussten ja noch packen.
Als ob die Mütter das nicht machen würden…!

„Voll der Wirbelwind, ne?!“ Bill lachte. „Wie man’s nimmt…“ Ich hatte jetzt echt keinen Nerv wieder über Mädchen zu reden.
Vorhin schon wieder dieser Scheiß Kommentar von Gustav. Dana!
Dana war Geschichte, never ever!
Die soll sehen, wie sie klarkommt!
Erstmal keine Freundin!
Das wäre mal was anderes.

Bill stand auf und legte Geld auf den Tisch. „Komm! Ich muss meine Haare noch mal neu stylen und wir müssen auch wieder mit dem Bus nach Magdeburg fahren!“
Seufzend stand ich auf und dackelte meinem Bruder hinterher.

„Was ist mit dir los verdammt?!“ Genervt rollte ich mit den Augen. „Was soll sein?“ „Ich kenn meinen Zwillingsbruder doch wohl gut genug und sehe wenn’s dir scheiße geht, oder? Ist es wegen Dana?“
Gott, konnte der Gedanken lesen?
„Wusst ich’s doch!“
Okay, kein Kommentar!
„Mensch Tom, Dana ist weg. Sie hat dich verarscht, als du so nett zu ihr warst! Sie war falsch! Vergiss sie! Sie ist es nicht wert, das du dein Leben versaust!“
„Mensch, Bruder, werd Psychologe!“
Bill lachte sarkastisch.

„Wann ist der nächste Gig?“ Hoffentlich nicht heute Abend. Hoffentlich! „Morgen glaub ich… Wir müssen dringend noch mal proben!“
Ich lachte. „Klar, aber wir sind doch wohl schon gut genug!“ Er grinste. „Klar!“
„Hat David noch mal angerufen?“
„Nee, der wollte eigentlich das wir in den Ferien jetzt mal ausruhen und uns dann in den Osterferien im Studio austoben können, soweit wir einen Vertrag kriegen, versteht sich!“
„Aha…“

„Was ist eigentlich mit Gina? Machst du ein Lied mit ihr?“ Ich sah Bill schief von der Seite an. Das war doch jetzt nichts wirklich sein Ernst!?
„Das ist mein Ernst, du brauchst gar nicht so zu gucken, Bruderherz! Ich fände das wäre eine tolle Idee!“
„Hm…“ gab ich brummig von mir.
Kurz darauf waren wir auch schon in Loitsche angekommen.


Gina.

Grinsend pfiff ich und lief nach Hause. Unterwegs schrieb ich an Christina eine Sms, die konnte heute Abend leider nicht.
Ich hatte ganz vergessen, das sie in Urlaub war. Naja, Dummheit gehört zum Leben dazu!
Andere fragen, wollte ich jetzt nicht. Die hatten sich womöglich noch alle verschworen. Mit Patrick zusammen.
Ich schüttelte mich.
Das was passiert war, saß immer noch tief.
Nie verlieben! Nein!

„Mum?“ Ich schloss die Haustür auf. Ein Klirren aus der Küche deutete mir, das meine Mutter zu Hause war.
„Hey!“, sie saß gerade verzweifelt am Küchentisch und versuchte ein Glas zu verzieren. Eins lag schon auf dem Boden.
„Hallo Schätzchen, sei so lieb und feg die Scherben zusammen, ja? Ich räume sie gleich selber weg.“
Seufzend holte ich den Besen aus dem Schrank und fing an zu fegen. „Du, Mama, Niklas hat mich zu seiner Party heute Abend eingeladen…“
Meine Mutter drehte sich auf dem Stuhl um und sah mich entsetzt an. „Du weißt was der Arzt gesagt hat!“
„Scheiß auf den Arzt!“
„Virginia!“
„Gina!“
„Wenn du umkippst guck wie du nach Hause kommst, es ist dein Leben!“
Ich grunzte.
Klar, nur die Frage war, wie ich bewusstlos durch halb Magdeburg laufen sollte. Schlafwandeln?

Resignierend schmiss ich den Besen in den Schrank zurück, was mir einen sehr begeisterten Blick Mutter-seits einbrachte.
Ich stapfte die Treppe hoch und zog in meinem Zimmer erstmal die nassen Klamotten aus.
Erschöpft ließ ich mich auf mein Bett sinken und schmiss die Chucks in eine Ecke. Was sollte ich heute Abend nur anziehen?

Seufzend stand ich wieder auf, schmiss meine Sachen in die Wäschetonne und ging ins Bad um mich abzuschminken.
Zum Glück war mein Spiegelbild doch nicht soooo erschreckend wie ich gedacht hatte. Summend ging ich in mein Zimmer und schmiss eine Ärzte-CD in den CD-Player.

Meine Freunde sind homosexuell...

Lachend hüpfte ich.
In meinem Kleiderschrank war gerade irgendwie total Ebbe. Ich suchte. Was sollte ich anziehen?
’Nen Rock? Wenn’s nicht zu kalt für Winter war. Naja, was soll’s! Also, einen schwarzen Rock, schwarzes T-Shirt und weißes Netz-Shirt.
Schuhe?
High Heels!?
Auf Partys wurde ich immer zu einem komplett anderem Menschen.

Also zog ich die Sachen an und sah auf die Uhr. Ich hatte noch eine gute halbe Stunde, also in Bad getapert und geschminkt.
Nur schlicht, natürlich.
Die Haare machte ich zu einem hohen Zopf, toupierte sie und den Ponni machte ich zu einer Tolle.
So, jetzt musste ich nur noch mein Handy einpacken.

Ein Anruf in Abwesenheit blinkte mir entgegen. Nanu?! Schon wieder diese Nummer die ich nicht kannte.


Tom.

Seufzend ließ ich mein Handy wieder sinken. Wie sie wohl hieß? Zum Glück hatte ich von ihrer Freundin die Nummer bekommen, schade dass sie nie zurück klingelte!
Bill war immer noch im Bad und es wurde langsam höchste Eisenbahn. „Bill…!“
„Ja doch!“
Polternd stürzte er die Treppe runter und wir gingen zum Bus.
„Bis später Mum!“

Der Bus kam zum Glück auch gleich und wir fuhren zu Gina.

~*~

10. Kapitel

Ding Dong

Das mussten dann wohl die 2 Chaoten sein.
Die konnten ruhig noch was warten. Abwesend spielte ich an meinem Handy rum und konnte mitanhören wie die 2 unten lautstark mit meiner Mutter diskutierten.
Ich grinste.
Mal wieder typisch Mum!
Jemanden den sie nicht kannte, wollte sie nicht ins Haus lassen.

„… jetzt kennen sie uns doch!“ Ich prustete los und beschloss sie zu erlösen. Langsam zog ich meine Jacke an und schnappte mir dann schließlich noch meine Tasche.
Ein letzter prüfender Blick in den Spiegel und ich ging nach unten.

„Hey ihr 2!“ Die Jungs sahen mich an. Meine Mutter war inzwischen kopfschüttelnd in die Küche zurück verschwunden.
Tom pfiff grinsend.
„Hallo schöne Frau!“
Augenrollend hakte ich mich bei beiden ein und bugsierte sie die Tür hinaus. „Wir laufen, oder?“
„Jo…“
Bill lachte.

„Du… Bruderherz?“ „Hm?“ Verwirrt sah ich beide der Reihe nach an. Es war inzwischen schon dunkler geworden und ich konnte ihre Gesichter nicht mehr so gut sehen.
„Wie sollen wir morgen Abend spielen, wenn Georg und Gusti nicht da sind?“
Bill senkte den Kopf. „Ähh…“
Ich fing an zu lachen.
„Spielt zu zweit!“
„Ist doch doof!“
„Ich fänd’s süß!“
„Nur wenn du mitspielst!“
„Ich kann das doch nicht!“
„Ich fänd’s süß!“
Tom und ich starrten uns an.
Diese Augen, irgendwodran erinnerten sie mich.
Höchstwahrscheinlich an Bills. Haha.

„Wo wohnt dein Cousin denn?“, unterbrach Bill das Schweigen. Er war so eine Labertasche. Ich grinste schon wieder. „Da vorne!“
„Das hast du vor 5 Minuten auch schon gesagt!“
Ich blieb vor einem riesigen Haus stehen. Mein Onkel war sehr reich, er arbeitete als Manager bei diversen Computerfirmen und war sehr erfolgreich.
„Boah!“ kam es von Tom. „Genau!“ Ich kniff die Augen zusammen und kicherte in mich hinein.

„Schatz!“ Niklas kam auf mich zugelaufen und umarmte mich überschwänglich. „Na!“ Er ließ mich wieder auf den Boden und sah Tom und Bill an.
„Und wer seid ihr?“ Er lachte.
„Tom und Bill, Schatz! Hab sie heute kennen gelernt…“
Tom grinste und legte seinen Arm um mich. „Tolles Haus!“ Niklas lachte. „Kommt rein! Virgin, ich verlange das du nachher mit mir Karaoke machst!“ Er zwinkerte mir zu.

„Virgin?!“ Tom setzte sich neben mich auf ein Sofa. Ich hielt die Hand abwehrend in die Luft. „Kein Kommentar!“
Tom grinste. „Stimmt das etwa nicht mehr?“


Tom.

Oh…den Blick den sie mir daraufhin zuwarf, den werde ich wohl nie vergessen. Wenn Blicke töten könnten, wäre ich bestimmt Brei.

„Was trinken?“ Bill stand kaum das er sich gesetzt hatte wieder auf. „Red Bull, du Virgin?“
„Cola…“ Sie seufzte und schlug die Beine übereinander.
In dem Rock sah sie verdammt gut aus.
Das sie heute Mittag noch total down gewesen war, konnte man nicht mehr sehen.

„Willst du tanzen?“ Ich schüttelte den Kopf. „Ich tanze nicht!“
„Boah!“
„Tja, Leben ist hart!“ Ich lachte.
„Du bist fies!“
„Ja, Pech, wa?!“
Sie schnaubte. Ach, man konnte sie so leicht auf die Palme bringen. Herzallerliebst.


Gina.

Keiner der beiden Jungs wollte tanzen. War schon etwas traurig. Also stand ich dann nach ner geschlagenen Stunde auf um Niklas zu suchen.
Der trieb sich wahrscheinlich wieder mit irgendeiner Tussi im Badezimmer oder sonst wo herum.
Hätte mich zumindest nicht gewundert.
„Niklas!“
Er saß gerade an der Theke – ja so was besitzen sie – und kippte sich mit Bier zu. „Will wenigstens mein Lieblingscousin mit mir tanzen?“
Er lachte.
„Ich bin dein einziger Cousin!“ „Na und? Muss doch niemand wissen!“ Ich grinste schelmisch und zog ihn dann auf die Tanzfläche.
Gerade kam Yeah von Usher. Nicht so mein Fall, aber um mal richtig den Frust rauszulassen gut genug.
Niklas war wohl etwas geschockt über meinen Enthusiasmus, denn nach dem Lied war er auch schon wieder verschwunden, hatte sich an der Theke hinter einem Glas Bier versteckt, und ich stand nun alleine da.
Was soll’s?

Ich warf die Arme in die Luft und fing an zu tanzen. Mal mit dem oder mal mit der. Auf einmal hielt jemand von hinten meine Arme fest. Ich riss mich los und wirbelte herum.

„Tom…“, flüsterte ich und grinste. „Na?“ Sein Lippenpiercing funkelte mich an. „Doch tanzen?“
Er nickte.
Wie auf Kommando kam ein Schmusesong.


Tom.

„Du kannst mir sagen, was du willst, aber irgendwie kommt sie mir bekannt vor“ Bill drückte mir mein Red Bull in die Hand und sah zu, wie Gina zu ihrem Cousin ging.
„Aha…“
Er seufzte und ich trank einen Schluck.

„Geh hin!“ Ich folgte Bills Blick und sah zu Gina. Sie tanzte gerade alleine. Seufzend stand ich auf und hielt ihre Arme fest als sie diese mal wieder umherwirbelte. War schon süß.

Sie erschreckte sich und wirbelte schnell herum. „Tom…“, flüsterte sie. Ich bekam Gänsehaut.
„Na?“, fragte ich. Sie starrte auf mein Lippenpiercing.
„Doch tanzen?“ Ich nickte.

Gerade fing ein Schmusesong an. Mein Puls stieg auf 180. Gina legte ihre Arme um meinen Nacken und trat ein Stück näher.

Ich zog sie an mich ran. Sie grinste. „Hm… und wie lang hast du vor zu tanzen?“ Sie lachte.
„Kein Plan, liegt dran wie gut die Tanzpartnerin ist…“
„Ey…“, sie trat mir auf den Fuß.

Ich lachte.
„Wieso haben wir uns eigentlich jetzt erst kennen gelernt?“ Ich sah sie an.
„Ich hab keine Ahnung…“, ich zog sie noch ein Stück näher.
„Lass das…“

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