TH FanFictions - by Lara <3
21. Kapitel

Last Christmas I gave you my heart…

„Gina hau rein!“
Silkes Stimme riss mich vom Schaufenster weg. Ja, Silke. Ronja und sie hatten mich vor ungefähr einer Woche unangemeldet besucht und seitdem waren wir wieder unzertrennlich. Mittlerweile war es der 22. Dezember, in 2 Tagen würde also Weihnachten sein und die Beiden hatten immer noch keine Geschenke besorgt. Immer musste ich beim Aussuchen helfen.
Seufzend warf ich einen letzten Blick in die Auslage des Schaufensters, so süße Ohrringe hatte ich schon lange nicht mehr gesehen. Es waren einfache, 0,5cmx0,5cmx0,5cm Würfel, 2 weiße und 4 schwarze. Wunderschön.
„Was denn?“
Zack! Hatte ich 2 Schals im Gesicht. „Der schwarze oder der weiße, für Mama. Was meinst du?“ Ich versuchte erstmal die 2 Stoffstücke aus meinem Gesicht zu bekommen. „Der weiße kratzt“, gab ich grummelnd ab und stöberte auf einem Wühltisch voller Mützen, Kappen und Cappis rum. Ich liebte Mützen jeglicher Art, mal gucken ob ich hier was finden würde. Unter anderem viel mir auch eine Cappi in die Hände die Tom auch hatte. Krampfartig zog sich mein Magen zusammen und ich schmiss sie schnell in eine andere Ecke, als ich eine Stimme auf meiner Schulter spürte.
„Findest du nicht, dass das SO ein bisschen scheiße war…“ Jemand trat neben mich und nahm die Cappi in die Hand, die ich eben noch weggeschmissen hatte.
Bill.
Stumm suchte ich weiter nach einer schwarzen Skimütze ohne Aufdruck und ging schließlich zur Kasse. Als ich wieder zurück kam stand Bill immer noch an den Tisch gelehnt und sah mir entgegen. Von Silke und Ronja mal wieder keine Spur, typisch.
Ich seufzte. „Bill, glaub mir es ist besser so für uns alle.“
Er schnaubte. „Als ob, weißt du wie verwirrt Tom nach deinem Anruf war, ich musste ihn erstmal beruhigen. Ich hab zigmal versucht dich zu erreichen, dein Handy war aus, du warst nie zu Hause. Es ist meine Schuld, ich hätte dich nicht so unter Druck setzen sollen, ich weiß dass so was Zeit braucht. Nein, ich weiß es nicht, aber bitte Gina, red mit Tom, er ist völlig fertig.“
Abwesend nahm er mir die Mütze die ich mir gerade gekauft hatte und zog sie mir über den Kopf. „Bill ich – ich hab wieder Post bekommen.“

Bill hob den Kopf und sah mich erwartungsvoll an.
„Ich,… also ich hab mich ja erst so spät gemeldet weißt du, ich… in dem Brief. Das war nicht deine Schuld.“
„Was stand in dem Brief, Gina?!“
Auf der Unterlippe kauend sah ich auf den Boden. Bill rüttelte an meinen Schultern.
„3 bis 10 Monate“, flüsterte ich.
Er hörte auf zu rütteln, sah mich nur entsetzt an.

Bill

„Ich kann doch keine Beziehung aufbauen, wenn ich genau weiß, dass ich spätestens nach 10 Monaten nicht mehr leben werde.“
Mit Tränen in den Augen hob Gina wieder ihren Kopf, ich schüttelte nur entsetzt immer wieder den Kopf.
Ich wusste zwar das… Aber… so schnell?
„Denkst du nicht, dass du es Tom trotzdem sagen solltest? Vielleicht, kann er ja helfen.“ Sie lächelte schwach, wir wussten beide, dass es absurd war.
„Was machst du jetzt noch?“ Sie zuckte mit den Schultern. „Weggehen. Willst du mitkommen?“ Ich grinste. Klar, ich war eh allein in der City, so einen Shoppingfaulen Bruder wie ich ihn hatte, gab es nicht noch einmal.
„Warte eben!“ Damit war Gina auch schon im Laden verschwunden und nun stand ich hier allein.
In der letzten Zeit, seit ich wusste wie es um sie stand, hatte ich immer wieder überlegt es Tom zu sagen. Als er mir erzählt hat, das sie das Mädchen vom Schwimmen war, hatte ich mich für ihn gefreut, ihn hat es nach so kurzer Zeit schon erwischt, das es ein Wahnsinn war, das sie schon nach 3 Tagen zusammen waren. Aber bitte, sie waren beide recht eigenwillig.
Aber wie sagte man seinem Bruder, dass seine Freundin sterben würde, ich hatte es selber ja immer noch nicht wirklich realisiert.
„Soooo… Bin da.“ Ich grinste. „Wer noch?“ Wir lachten.
„Dann komm mal mit, ich zeig dir was.“ An der Hand zog sie mich hinter sich her.

„Gina du musst wissen, dass ich Natur hasse“, rief ich Gina zu, die sich ein paar Meter vor mir durch das Gestrüpp kämpfte.
„Das passt schon, wir sind gleich da.“
Auf dem Weg hatten wir mehr oder weniger viel geredet. Sie hatte mir viel von sich erzählt, von ihrer Familie. Ich wiederum hatte von mir und Tom erzählt, von unserem Album das wir aufnehmen wollte, von Devilish, beziehungsweise Tokio Hotel und wie wir Songs komponierten mit Tom zusammen.
„Ist dein Lied eigentlich fertig?“ Gina rief nur irgendwas, das sie entfernt wie ein Ja anhörte

„Da!“, sie sah mich erwartungsvoll an, ich sah mich um.
Wir waren wohl in so einer Art Höhle. An der Wand standen verschiedene Wörter und Zeichnungen und auch ihren Namen konnte ich kurz irgendwo lesen.
„Mein Opa ist mit mir immer hierher gegangen, bevor er gestorben ist. Eigentlich wollte ich nicht mehr hierhin, aber… Irgendwem zeigen… ich…“
Sie fiel mir in die Arme. Einfach so. Beruhigend legte ich die Arme um sie und zog sie an mich.
„Bill?“
„Hm?“
„Was ist dein größter Wunsch?“
„Das du überlebst. Deiner?
„Ein Wunder…“

~*~

22. Kapitel

„Bill? Ich weiß nicht…“
Ich drehte mich zu Gina um, wir waren mit dem Bus nach Loitsche gefahren. Ich hatte sie noch überreden können es Tom zu sagen.
Jetzt stand sie da, die Mütze tief ins Gesicht gezogen und hielt sich krampfhaft am Busschild fest.
„Moa Gina.“ Ich lachte und zog sie am Handgelenk hinter mir her. „Was wenn er dann nichts mehr mit mir zu tun haben will?“
„Schätzt du Tom wirklich so ein“, fragte ich. Sie blieb stumm. „Na also…“
Ich schloss die Tür auf.
„Bin wieder da.“
Gina drückte sich hinter mich, als Tom die Treppe runterkam. „Verdammt Bill wo warst du so lang?“
„Shoppen?
Tom runzelte die Stirn. „So lang?“
„Ähm… er hat mich noch getroffen.“ Gina drückte mich ein Stück zur Seite und sah zu Tom hoch, der immer noch auf der Treppe stand.

Gina

Wie er mich ansah, so traurig und gleich so voller Hoffnung. Die Gänsehaut kroch mir den Rücken runter.
„Gina? Ich… was machst du denn hier?“
Bill schubste mich Richtung Treppe und ich überbrückte unsicher die paar Stufen die Tom und mich noch voneinander trennten.
„Es tut mir Leid“, flüsterte ich, sah ihn an. In diese Augen, in die ich mich so verliebt hatte.
„Schon- scho-n okay.“ Er stotterte, süß.
„Ich bin dann mal im Wohnzimmer, also…“ Bill warf mir noch einen auffordernden Blick zu und verschwand dann in der Tür.
„Tom, gibst du mir noch eine Chance…“
Er antwortet nicht, zog mich nur in seine Arme und drückte mich an sich.
„Warum?“, flüsterte er.
Ich blieb stumm.
Ich hatte solch eine Angst. Wie würde er reagieren?
„Gina?“
„Mhm?“
Er sagte es ganz leise, bevor er mich küsste, aber es tat so gut das zu hören.
„Ich brauche dich…“
Er wird mich hassen, wenn ich es ihm sage. Er wird mich nicht verstehen.
Ohne es zu wissen hatte ich einen Entschluss gefasst, ich würde es ihm nicht sagen, wenigstens noch ein bisschen Zeit. Ein paar Tränen liefen mir die Wangen runter, er schien es zu bemerkten.
„Was ist los?“
„Verlieb dich nicht in mich…“

Tom zog die Augenbrauen hoch.
„Wieso das?“
Ich schüttelte nur den Kopf.
„Bitte, es ist besser so.“
Er lächelte. „Zu spät“, ein paar Sekunden später lagen seine Lippen auf meinen.
Es ist so falsch…

~*~

23. Kapitel

Ein leises Schnarchen drang an mein Ohr und ich musste lächeln.
Das ganze war ganze 4 Wochen her, wir hatten mittlerweile den 23. Januar und Tom und ich waren immer noch zusammen und glücklich.
Besagter drehte sich im gerade im Schlaf um und legte seinen Arm um meinen Bauch, schmatzte und schlief schließlich ungerührt weiter.
So war es meistens, er schlief, ich war wach. Dachte nach. In der ganzen Zeit hatte ich ihm nie ein Wort gesagt, Bill hatte mir zwar öfter Mal einen schiefen Blick zugeworfen, aber großartig viel hatte er über das Thema nicht mehr verloren. Es war meine Entscheidung, aber ich fühlte mich trotzdem unwohl. War ja wohl irgendwie auch verständlich.
Die Jungs waren wie geplant über Silvester bei David in Hamburg gewesen, mit mir im Schlepptau, Tom wollte mich unbedingt mitnehmen.
Es war fantastisch. Den Jungs zuzusehen erfüllte mich irgendwie mit Stolz und vor allem, als David zu mir meinte, das Rette Mich eventuell mit aufs Album gepackt werden würde platzte ich fast.
Mein Text würde auf einem Album sein. Mein Lied, Toms und mein Lied. Wenn sie berühmt waren, und ich war mir hundertprozentig sicher, dass sie berühmt werden würden, was Tom, Bill, Gustav und Georg jedoch immer bestritten, sie glaubten nicht daran, würde mein Lied auf dem Album von Tokio Hotel sein. Es würde gehört werden.

Irgendwann machte sich ein Kratzen in meiner Kehle bemerkbar und ich stand vorsichtig, um Tom nicht zu wecken, auf und ging die Treppe runter in die Küche um mir was zu Trinken zu holen.
Anfangs war meine Mutter sehr gegen die Beziehung mit Tom gewesen, aber sie hatte sich damit abgefunden, ich weiß, dass sie nur das Beste für uns, für ihn wollte, aber was wollte sie schon unternehmen? Immerhin war sie immer noch der Ansicht, dass Tom wusste, dass ich krank war.
Gähnend holte ich die Spriteflasche aus dem Kühlschrank und goss mir was in einen Becher.
Mit geschlossenen Augen lehnte ich mich an die Anrichte.
Morgen, beziehungsweise heute, würden wir zu 5t in die City gehen. Bill wollte mal wieder shoppen und Georg wollte unbedingt eine CD haben, da wir uns eh jeden Samstag trafen, hatten wir das Treffen in die Stadt verlegt. Tom wollte eh unbedingt mit mir mal shoppen gehen.
Grinsend schüttelte ich den Kopf. Warum wohl?!

„Woran denkst du schon wieder?“, murmelte eine Stimme neben mir. Erschrocken zuckte ich kurz und sah dann zu Tom.
Der war irgendwie vom Kissen total zerknautscht und überhaupt total daneben.
„Weißt du eigentlich wie du aussiehst, Schatz?“ Er grinste.
„Gut…“
„Idiot“, lachend ließ ich mich von ihm in den Arm ziehen.
„Etwa nicht…“ Er grinste und zog die Stirn kraus, wie er es so oft tat. Zur Antwort küsste ich ihn einmal kurz auf den Mund. „Das war alles?“
Entrüstet schubste er mich weg.
„Tom, bitte. Ich bin müde. Ich will ins Bett…“
„Dann komm mal her.“ Bevor ich wusste wie mir geschah, hatte Tom mich schon hochgehoben und trug mich die Treppe hoch.
Zum Glück war meine Mutter das Wochenende über weg, wenn die wüsste…
Er grinste als er mich aufs Bett schmiss und sich direkt hinterher.
Kichernd zog er die Decke über uns und kuschelte sich an mich.
„Ich werde immer für dich da sein“, flüsterte er mir ins Ohr, bevor er anfing meinen Hals auf und ab zu küssen.
Immer…
Ich musste schlucken.
„Ich auch für dich, Tom.“
Er grinste und beugte sich über mich, um mich schließlich zu küssen. Seine Hand fuhr unter mein Shirt und fing an mit dem Daumen meinen Bauch zu streicheln.
Langsam hob er es schließlich an und zog es mir über den Kopf.

Tom

Ich merkte wie unsicher sie war. Sie tat überhaupt nichts, ließ mich machen.
„Wir müssen nicht…“, flüsterte ich.
Sie schüttelte den Kopf und zog mich runter, und küsste mich.
Ich liebte dieses Mädchen so sehr, hatte es ihr aber noch nie gesagt. Ich wollte es noch nicht, irgendwann, wenn es mal romantisch war. Ich grinste in den Kuss hinein als sie mir ebenfall das Shirt ausziehen wollte.
Ich zog sie hoch, und versuchte mit zitternden Fingern ihren BH aufzumachen. Wie lange hatte ich mich danach gesehnt? Und ausgerechnet jetzt musste ich zittern. Sie lachte leise und half mir.
Ehrfürchtig sah ich sie an, sie war so schön. Unsicher sah sie mach an.
„Was?“
„Du bist so schön.“ Gina lief rot an.
„Ich bin froh dass ich dich hab, Tom.“ Sie kaute verlegen auf der Unterlippe herum.
Nach und nach entledigten wir uns schließlich noch die restliche Kleidung.
Ich merkte wie sie einen Widerspruch runter schluckte.

„Ich bin auch nervös…“
Sie lächelte und wir küssten uns.
Langsam wurden wir zu eins.

~*~

24. Kapitel

Als ich aufwachte, war es draußen bereits hell.
Grummelnd drehte ich mich auf die andere Seite und tastete nach Tom, doch er war nicht da. Schlagartig war ich hellwach, fuhr hoch und sah mich um.
„Tom?“
Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass es 10 Uhr war. Wieso war dann Tom nicht im Bett? Normalerweise schlief er doch so lang.
Langsam stand ich auf und ging ins Wohnzimmer, aus dem ich Fernsehgeräusche hörte. Tom saß gelangweilt auf der Couch und sah sich irgendeine Wiederholung von einem Film an.
Grinsend erinnerte ich mich an die letzte Nacht.
„Guten Morgen Schatz“, flüsterte ich ihm ins Ohr. Tom zuckte zusammen, drehte sich zu mir und drückte mir lächelnd als Antwort einen Kuss auf den Mund.
„Na…“ Glücklich setzte ich mich auf seinen Schoß und kuschelte mich an ihn.
„Wann kommen die anderen?“
„Elf…“
„ELF?“, fragte ich entsetzt. Somit hatte ich noch eine gute Stunde, abgesehen davon das Tom sich auch noch fertig machen musste.
„Elf“, bestätigte er grinsend.
Mit einem „Woaa...“ sprang ich auf, was Tom nur zum Lachen brachte.
„Du machst das schon Schatz…“
Kopfschüttelnd sah er mir hinterher.

Als das Duschwasser auf mich einprasselte, wurde mir erstmal richtig bewusst, was diese Nacht passiert war.
Nicht das ich es nicht gewollt hätte, aber es war so unwirklich für mich.
Ich hatte soviel Glück, ich wurde geliebt, ich durfte lieben. Ich hatte wunderbare Freunde, meine Mutter, aber wieso war es mir nicht vergönnt Glück zu spüren?
Wieso musste ich ein so grauenhaftes Schicksal haben.
Seufzend wischte ich mir eine vereinzelte Träne weg und stieg aus der Dusche. Grübeln bringt auch nichts.
Ich zog mich an, föhnte mir die Haare und schminkte mich schnell, dann ließ ich Tom ins Bad, nicht ohne ihn noch einmal grinsend zu küssen.

„Okay, wohin zuerst?“ Grinsend rieb sich Bill wie ein kleiner Junge freudig die Hände. Georg und Gustav verdrehten nur die Augen, stießen sich in gegenseitig an und kicherten los. Grinsend beobachtete ich die Beiden.
„Cd-Laden“, bestimmte Georg letztendlich. Bill murrte nur und wir trotten gemeinsam durch die Magdeburger City zum Cd-Laden.
„Was für eine CD willst du denn kaufen?“, fragte ich. Über Georgs Musikgeschmack wusste ich fast gar nichts, nur das er kein Hip Hop hörte.
„Von Oasis.“
„Achso.“ Er grinste nur und wir betraten schließlich den gemütlichen Laden.

„Guck mal Schatz, das wär doch was.“ Grinsend hielt mir Tom eine CD entgegen, die ich erst nach ein paar Sekunden als „Lady Marmalade“ erkannte.
„So was könntest du doch auch mal anziehen, oder?“ Skeptisch hob ich eine Augenbraue.
„Nur wenn du ne Karottenhose anziehst.“
Entgeistert sah Tom mich an und Bill lachte kurz auf.
Wir sprachen nicht viel, und wenn nur das Nötigste. Er wusste, dass ich es Tom immer noch nicht gesagt hatte, er wollte, dass ich es ihm sagte.
„Gina“ Wenn man vom Teufel sprach. Bill kam neben mich und zog mich ein wenig zur Seite was Tom mit Skepsis beobachtete.
„Er weiß es immer noch nicht?“ Es war mehr eine Frage als eine Feststellung. Ich seufzte und sah ihm in die Augen.
„Was soll ich denn tun bitte? ‚Hey, sorry Tom, aber ich bin krank!’ Ich will das einfach nicht, Bill. Ich will nicht das er aus Mitleid mit mir zusammenbleibt!“ –
„Glaubst du etwa er würde dich dann nicht mehr lieben, wie naiv bist du?!“ Verständnislos schüttelte er den Kopf.
„Versteh es bitte Bill, gib mir Zeit.“
Dann ging ich wieder zu den anderen.


„Tut mir das NIE wieder an“ Stöhnend ließ sich Tom an einem Tisch in einem Cafe nieder und legte die Füße hoch.
„Ich hab mindestens 10 Blasen“, verkündete er und wollte gerade seine Schuhe ausziehen als ich mich auf seine Füße setzte.
„Das ist mein Platz, Schatz!“, sagte ich und streckte im die Zunge raus.
Die anderen setzten sich ebenfalls und wir bestellten kurz.
„Dein Platz ist meinem Herzen, Süße.“ Damit zog er mich auf seinen Schoß und küsste mich innig.
Ich schloss die Augen und seufzte. Wie sehr ich diese Küsse liebte.
Gustavs Stimme riss mich schließlich von Toms Lippen.
„Gina, den kennst du doch oder?“
Verwirrt folgte ich seinem Blick.

~*~

25. Kapitel

Gustavs Stimme riss mich schließlich von Toms Lippen.
„Gina, den kennst du doch oder?“
Verwirrt folgte ich seinem Blick.


Das erste Mal seit über 7 Wochen sah ich sie wieder. Diese blauen Augen, die einem Menschen gehörten, der mich so sehr verletzt hatte.
„Patrick?“ Entgeistert registrierte ich, wie er mich missbilligend musterte und dann ein paar Schritte auf unseren Tisch zu machen.
Die Jungs waren alles andere als angetan, schließlich hatten sie damals in der Eishalle mitbekommen, was für eine Show er abgezogen hatte, und sie sahen ihn nur kühl an.
Tom spannte seine Muskeln an und sog scharf die Luft ein, als Patrick neben mir stehen blieb und seinen Blick erst über Tom und dann über mich gleiten ließ.
Keiner sagte was. Es war wie ein stummes Einverständnis zwischen uns. David und Phil standen in der Tür und musterten das Schauspiel.
Mit ihnen hatte ich eigentlich keinen Streit oder so, aber sie hielten zu Patrick und es tat weh, sie zu sehen und zu wissen, das sie nie wieder zu mir gehören würden.
Toms Hand strich beruhigend über meine Seite, ich war ihm so dankbar.

„Sag doch Schlampe!“
Damit drehte er sich um und ging wieder aus dem Café.
Baff sah ich ihm nach, das war alles?
Ich hätte ein Riesentheater seinerseits erwartet, aber das? Nur ein Satz, okay, nur, er war fies. Tom hatte sich richtig beherrschen müssen nicht aufzuspringen, zum Glück saß ich auf seinem Schoß. Aufspringen war also nicht.
„Der war aber… komisch“, übernahm Georg das Wort und sprach wohl aus was alle dachten, denn auch Bill und Gustav murmelten zustimmende Worte.
„Hast du den seitdem nicht mehr gesehen gehabt?“
Gustav trommelte mit dem Löffel aus seinem Kaffee, den die Bedienung gebracht hatte, auf den Tassenrand und runzelte die Stirn. „Ich mein, zur Schule gehst du ja immer noch nicht, aber irgendwo hättet ihr euch ja mal über den Weg laufen müssen, oder?“
„Ich wollte ihn nicht sehen.“
Genervt schloss ich die Augen.
„Können wir nicht irgendwo hingehen, wo ich mir sicher sein kann, das kein Patrick, kein David, kein Phil oder sonst irgendwer aufkreuzt?“, fragte ich und setzte noch ein „Bitte“ hinterher.
Ich hatte echt keine Lust, alle möglichen Menschen zu sehen mit denen ich mal was zu tun hatte. Erstmal würde dann die Frage kommen, wie es mir gehen würde, und die wollte ich unter keinen Umständen beantworten. Und dann noch wieso ich nicht zur Schule gehen würde.
Das war auch eine Sache für sich, ich sah keinen Sinn, mich in die Schule zu setzen, wo ich genau wusste das ich wahrscheinlich eh bald sterben würde, also schob ich alles noch aufs Koma.
Aber es schluckten alle – außer Bill.
„Wir könnten zu mir“ bat Gustav an und der Vorschlag wurde begeistert aufgenommen. Tom murrte zwar weil er wieder aufstehen musste, aber nach einem Küsschen ging es schon wieder und wir verließen, nachdem wir bezahlt hatten das Café um die paar Minuten zu Gustav zu laufen.

Gelangweilt saßen wir also bei Gustav im Zimmer rum.
Sogar Georg hatte keine Lust irgendwelche dummen Kommentare in den Raum zu schmeißen, so saßen wir nur da, vegetierten vor uns hin und schwiegen die Zeit tot.
Bill und ich warfen uns die ganze Zeit schon Blicke zu, ich wusste was seine sagten. Ich wusste was er wollte, aber ich würde es nicht tun. Nie.
„Lass uns doch Wahrheit oder Pflicht oder so spielen“, sagte Bill schließlich.
Verwundert sahen wir ihn alle an.
„Ja, besser als nix tun.“
Also wurde eine Flasche geholt und wir setzten uns in einen Kreis auf den Boden.
War das kindisch, ich rollte mit den Augen.
Ich hatte grundsätzlich was gegen Flaschendrehen.
Einmal weil ich fast immer drankam und voll peinliche Sachen machen muss, und zum Zweiten weil eh nie einer die Wahrheit sagt.
„Mit Wahrheit sagen! Nicht lügen…“, warf Tom in dem Moment ein. Schlaues Kerlchen. Ich grinste und kuschelte mich an ihn, was Bill mit einem Blick beäugte, den ich nicht deuten konnte. WAS hatte der wieder vor?

~*~

26. Kapitel

„Also los…“
Gustav nahm die Flasche in die Hand und drehte. Das Spiel war irgendwie total primitiv, alle wollten, dass die Flasche nicht auf sie zeigte, aber wenn man nicht drankam, war es langweilig. Die Flasche blieb letztendlich vor Tom stehen und Gustav wollte gerade ansetzen, also Bill dazwischen ging.
„Moment, ich weiß was. Tom, vertraust du Gina?“
Häh?
Perplex sah Tom seinen Bruder an, blinzelte ein paar Mal. „Natürlich. Wieso sollte ich nicht?!“ Er schüttelte mit dem Kopf und sah seinen Bruder stirnzunzelnd an.
Dann nahm er die Flasche in die Hand und drehte, diesmal musste Georg dran glauben. Tom grinste.
„Woher kennst du die Wirkung von Viagra?“
Georg wurde kreidebleich und murmelte irgendwas in seinen nicht vorhandenen Bart. Gustav und ich kugelten uns schon über den Boden und auch Bill hielt sich den Bauch vor Lachen.
„Also?“
„Hab schon mal welches genommen“, flüsterte Georg, aber so, dass wir es alle verstehen konnten.
Wir brachen in Gelächter aus nur dem guten Georg schien das ein klein Wenig peinlich zu sein.
„Jaja, jetzt kommt alles raus“, meinte Gustav und wischte sich eine Lachträne aus den Augenwinkeln.
„Georg it’s your turn“
Peinlich berührt drehte Georg die Flasche und sie blieb kurz vor mir stehen. „Gina!“
„Nee, da die Lücke siehste doch!“ – „Ne komm, Gina!“
Gespielt grummelnd gab ich klein bei.
Bill hielt Georg am Arm fest, was total unnötig war, Georg hatte doch gar nicht vor zu gehen.
Bill sah mich so durchdringend, dass ich Gänsehaut bekam.
„Was ist dein größtes Geheimnis?“
Ich merkte wie meine Pupillen auf das dreifache anschwollen.
„BILL, wir beide. JETZT!“

Was ging bei dem ab?
Wollte der etwa erzwingen, dass ich die Wahrheit sagte? Und dann auch noch SO?
„Kannst du mir mal sagen was das soll?“ zischte ich ihn wütend an als wir auf dem Flur standen.
„Anders würdest du es ihm doch eh nicht sagen. Weißt du wie lange ich mir das nun schon angucke?“
In seinen Augen blitzte es gefährlich.
„Ich werde das schon irgendwann sagen.“
Bill lachte höhnisch.
„Klar. Bevor oder nachdem du abgekratzt… - “

Ohne zu überlegen holte ich aus und klatschte ihm eine.
„Du bist doch bescheuert man!“
Wütend rauschte ich an ihm vorbei ins Zimmer, schnappte mir meine Jacke und verließ ohne noch was zu sagen.
Die Rufe von Tom ignorierte ich einfach.
Bill würde es ihm doch eh sagen.

~*~

27. Kapitel

Allein lief ich durch die Straßen Magdeburgs.
Es dämmerte schon, aber das war mir egal. Ich hatte keine Angst im Dunkeln.
Immer und immer wieder ließ ich den Mittag Revue passieren.
Patrick, Flaschendrehen, Bill, und Toms Blick als ich an ihm vorbei gerannt bin. Er weiß jetzt das ich ihm was verheimliche. Und er wird es wissen wollen.
Langsam nahmen die Tränen ihren Lauf und ich ließ mich auf einer Bank nieder.
Wieso musste mir so was immer passieren.

Erst stirbt Opa, nein erst lag ich im Koma, dann werde ich nach 4 Monaten wach, mein bester Freund will was von mir, wir gehen im Streit auseinander, ich bin unheilbar krank…Hallo?
Ich fühlte mich wie in einer schlechten Soap.
Alles prallte auf einmal auf mich drauf, ich war am Boden zerstört und ich ließ die Tränen laufen. Es ging nicht mehr.
Ich war auf.

Ich nehm die letzte Bahn, die mich von hier noch zu dir fährt.
Es ist ziemlich kalt hier unten niemand sonst noch hier.
Ich denk noch drüber nach, wie ich es dir am besten sag', dass für dich ohne, mich alles so viel besser wär.


Oh ja, es war so viel besser für ihn ohne mich. Was hatte Tom an mir? Nichts, naja okay, im Moment. Aber irgendwann wenn ich weg bin, dann hat er mich nicht mehr, dann ist er das Wrack, das sich fragt, warum es so gekommen ist, warum ich nie was gesagt habe, warum ich ihn in Ungewissheit gelassen hatte, nur weil ich dachte er würde mich nicht mehr lieben wenn er wüsste das ich krank bin.

Und wenn du nur wüsstest, dass, das mein letzter Tag sein wird, könntest du dann mit mir reden so als wär’s wie immer?!
Kommst du mir nach, wenn ich jetzt von dir geh'?!
Denn ich bleib' für immer und schreib dir mal von dort.


Ich habe Angst. Angst vor Toms Reaktion, davor was er tut.
Was wenn er sich umbringen will… Wenn ich mich umbringe? Würde das alles leichter oder schwerer machen.
Ich weiß es nicht, ich weiß es nicht und das macht mich so fertig.

In deinem Zimmer brennt noch Licht, scheinbar siehst du noch Fern.
Denkst du an mich wenns' jetzt klingelt und hoffst das ich es bin?!
Ich bin gar nich’ hier, um zu sagen wie Leid´s mir tut, denn ich hätts nich' verdient, dass du mir verzeihst.

Alles was jetzt ist wird niemehr so sein wie es war, deshalb muss ich schnell vergessen, wie es ist, wenn du mich küsst.


Ich muss ihn vergessen.
Aber wird es dadurch nur schwerer oder doch leichter für ihn?
Was wenn ich es ihm einfach sage, nein, ich kann das nicht.
„Hallo Tom, ich wollt es dir ja schon länger sagen, aber es war nie der passende Moment. Also… naja wie soll ich sagen. Ich kratz bald ab!“???
So ja wohl auf keinen Fall.
Ich seufzte und vor mir bildeten sich kleine Atemwölkchen.
In 3 Wochen war Valentinstag.
Tom wollte mit mir an diesem Tag irgendwohin gehen.
Tom…

So wie ich ihn kannte, würde er morgen vorbeikommen.
Hoffentlich nicht. Oder hoffentlich doch?
Ich war so durcheinander, meine Gedanken machten sich selbstständig.

Mein Handy klingelte ununterbrochen, sogar als ich schon längst in meinem Bett lag hörte es nicht auf.
Zehn Millionen verpasste Anrufe später schlief ich auch ein.
Mit der Angst, die immer noch in mir schlummerte.

~*~

28. Kapitel

Der nächste Tag fing genauso an, wie der vorherige aufgehört hatte.
Mein Handy klingelte.
Seufzend fühlte ich auf meinen Nachttisch und hatte es schließlich in der Hand. Die Beleuchtung nahm mir erstmal die Sicht, warum mussten Handys auch immer so grell leuchten?

20 verpasste Anrufe

Die meisten waren von Tom.
Als ich alle gelöscht hatte blinkte mir eine SMS entgegen. Bill. Ängstlich drücke ich auf Öffnen. Was auch immer er geschrieben hatte, es war nichts Gutes. Das fühlte ich, ich hatte so eine Angst davor, dass Bill es Tom gesagt hatte, dass er nicht den Mund gehalten hatte.

Tom weiß NOCH nichts.
Ich schick ihn um 3 vorbei.
Heute sagst du es.
Sonst tu ich es.
Er ist immer noch mein Bruder.
Hau rein,
Bill.


Irgendwie erleichtert ließ ich mein Handy auf mein Kissen plumpsen und stand auf.
Ich musste es ihm sagen, zitternd machte ich mich auf den Weg ins Badezimmer. Ich hatte so eine Angst vor seiner Reaktion.
In den nächsten Stunden malte ich mir zig verschiedene Situationen aus, Tom verständnisvoll, Tom verständnislos, Tom traurig, Tom am Boden zerstört…
Mehr schlecht als recht saß ich um 3 Uhr im Wohnzimmer und wartete auf das unvermeidliche.
Als es um kurz nach 3 klingelte öffnete meine Mutter die Tür.
Zusammengekauert unter einer Wolldecke sah ich zur Tür.

Ich hörte meine Mutter kurz mit Tom reden, der kurz darauf in der Tür zum Wohnzimmer stand und mich ansah.
Seine Augen, voller Trauer, so verletzt.
„Tom…“
Er schüttelte den Kopf, kam auf mich zu und setzte sich neben mich.
Wir sagten beide nichts, schwiegen uns an.
Ich hasste solche Stillen.
„Tom, ich – “
„Du bist krank, stimmt’s?“
Mit offenem Mund sah ich ihn an. Woher…? Ich sagte nichts, er verstand, sah mich nur aus diesen endlos braunen Augen an und nahm mich schließlich in den Arm.
„Ich weiß das es kein anderer sein kann, also sag es mir bitte, Gina. Ich… ich liebe dich doch.“

Bumm…bumm…bumm

Mein Herz. Er liebt Dich. Mich durchfuhr so ein Glücksgefühl, aber gleichzeitig eine unendliche Traurigkeit.
„Ich liebe dich mehr als alles andere auf der Welt, Gina. Ich habe mich noch nie bei jemandem so geborgen gefühlt.“
Ich schniefte, drückte mich noch enger an ihn.
„Ich liebe dich auch.“
„Warum hast du es mir nie gesagt?“, flüsterte er.
„Ich hab Angst gehabt, vor deiner Reaktion. Ich hab doch gesehen wie Bill reagiert hat…“
„Bill?“
„Als ich das erste Mal mit zur Bandprobe gekommen bin…“
Ich spürte wie er nickte.
Verdammt, kann man so lieben? So sehr? Es tat so weh, ich wollte ihn nicht alleine lassen, nie.
Er begann zu zittern.
„Wein ruhig… ich wein doch auch.“ Ich musste lachen und gleichzeitig auch weinen. Er sah mich an, küsste mich und langsam begann er auch zu weinen.
„Ich will nicht, dass du gehst, Maus!“
„Denkst du ich?“

Gähnend streckte ich mich auf meinem Bett, Tom neben mir.
„Okay was noch…“
„Tom, was willst du denn noch alles wissen? Lieblingsessen, Lieblingsfarbe, Lieblingsband…alles weißt du…“
Er seufzte und legte den Arm um mich.
„Was wolltest du immer schon mal machen?“
Ich stutzte sah ihn an. „Häh?“
„Ja es gibt doch bestimmt irgendwas, das du immer schon einmal machen wolltest!“
Ich überlegte.
Etwas was ich immer schon mal machen wollte.
„Lachst du mich auch nicht aus?“
„Also bitte!“
„Hm, als kleines Kind wollte ich den Sternen immer nah sein, und ein Wunder erleben.“ Ich seufzte. So was in der Art hatte ich doch auch schon mal zu Bill gesagt.

„Dann komm mal mit“, Tom sprang auf und zog mich hoch.
„Wie?“ Erstaunt über so viel Enthusiasmus ließ ich mich die Treppe runterziehen, wo Tom sich seine Jacke überwarf.
„Wo willst du hin?“
„Wirst du sehen!“

Grinsend zog er mich zur Bushaltestelle, wo wir in den Bus stiegen.
Wo wollte er abends um 8 noch hin?
Summend nahm er mich in den Arm.
„Wir schaffen das…“, sagte er, aber ich merkte seine Unsicherheit. Er versuchte sie zu überspielen.

An der Pablo-Picasso Straße stiegen wir schließlich aus.
Moment Mal, das hier kannte ich doch.
„Tom?“
Besagter zog mich wieder hinter sich her, in das große Gebäude vor uns und blieb erst stehen, als wir vor einem Raum mit der Aufschrift „Sekretariat“ standen.
„Bin gleich wieder da, nicht wegrennen.“ Er zwinkerte mir zu und verschwand dann in dem Raum.
Neugierig sah ich mich um, aber außer ein paar Bildern und ein paar Blumen war nichts Besonderes zu erkennen.
Nach ein paar Minuten kam Tom wieder raus, gefolgt von einem Mann mittleren Alters.
„Hallo“, sagte er freundlich und Tom nahm wieder meine Hand und wir folgten dem Mann.
Tom sagte nichts, ich sprach ihn auch nicht weiter an.
Er würde mir eh nichts sagen, so wie ich ihn kannte.

„So… Tom du weißt Bescheid?“
Tom nickte und der Mann verschwand wieder, wir standen nun in einem riesigen Raum. Über uns die Glaskuppel.
Oh mein Gott, der wollte doch nicht…
Tom bugsierte mich zu einem riesigen Teleskop.
„Schatz, bitte schön. Wir dürfen eine halbe Stunde hier drin sein.“
Er lächelte mich an, ich war sprachlos.
So einfach sollte es also sein?
Unsicher ging ich auf das Teleskop, sah hindurch. Es war atemberaubend.
„Und was siehst du?“
Tom trat neben mich.
„Die Milchstraße.“ Lächelnd legte er einen Arm um mich und küsste mich.
Ich unterdrückte die aufkommenden Kopfschmerzen, mein Kopf dröhnte schon öfters in der letzten Zeit und mir wurde schwindelig.
Wankend hielt ich mich an ihm fest.

„Gina alles in Ordnung?“, war das letzte was ich hörte bevor ich auf den Boden aufknallte und mir schwarz vor Augen wurde.

~*~

29. Kapitel

Tom.

Das Gina in der Sternwarte umgekippt war, war mittlerweile gut 3 ½ Wochen her.
Sie war direkt mit dem Krankenwagen ins Krankenhaus gebracht worden, wo sie immer noch war, auch heute, am 14.02. Valentinstag.
Ich hatte soviel mit ihr vorgehabt und jetzt lag sie hier, seit über 3 Wochen und sie durfte einfach nicht gehen.
Als ich erfahren hatte, wie krank sie war, daran werde ich mich immer erinnern können. Es war so ein Schlag ins Gesicht, wie ein Eimer kaltes Wasser den jemand über mir einfach ausgeleert hatte.
Wie lange hatte sie es schon gewusst, wie lange hatte Bill es schon gewusst, wie lange hatten beide mir nichts gesagt.
So sauer ich hätte sein müssen, ich war es nicht.
Und ich konnte beim besten Willen nicht sagen warum.

Sie schlief.
Jeden Tag nach der Schule kam ich sofort zu ihr und ging erst abends ganz spät wieder nach Hause. In der Schule war ich total abgesackt, aber das war mir egal.
Ich war egal.
Gina war zum Wichtigsten Menschen in meinem Leben geworfen. Egal wie es um sie stand.
Sie war so blass geworden, die meiste Zeit schlief sie wenn ich da war. Dann saß ich neben ihr, beobachtete sie, dachte nach über die knapp 3 Monate die wir schon zusammen waren, darüber wie es sein könnte, wenn sie nicht mehr da wäre…
Ich liebte dieses Mädchen so sehr. Seufzend vergrub ich meinen Kopf in meinen Handflächen.

„Tom?“
Ihre Hand strich mir sanft über den Arm. Ich hob den Kopf, sah in ihre Augen und lächelte sie an.
„Hey Schatz.“ Sie lächelte matt zurück. Sah sich im Zimmer um und seufzte.
„Ich bin ja immer noch hier.“
Ich zuckte mit den Schultern.
„Hauptsache du bist hier bei mir.“, sagte ich und beugte mich vor um sie auf die Stirn zu küssen. „Ich liebe dich so sehr, Süße.“
„Ich dich auch Tom!“
Sie richtete sich auf und kramte in ihrer Nachttischschublade um schließlich ein kleines Päckchen herauszuholen.
„Frohen Valentinstag“, flüsterte sie.
Erstaunt sah ich sie an. „Woher hast du das denn?“ Sie lächelte und drückte mir das Paket in die Hand. „Mach auf.“
Gespannt riss ich das Geschenkpapier ab und hielt ihr Notizbuch in den Händen.
„Aber…?“
Sie schüttelte den Kopf.
„Ich will, dass du es hast… Wenn…“
Ich seufzte. Dieses Thema sprachen wir nie an.

„Ich hab auch was für dich“, sagte ich und fummelte ein kleines Kästchen aus meiner Hosentasche heraus.
Ein Ring.
Meine Mutter hatte ihn mit mir zusammen ausgesucht, ich wollte das sie etwas hatte, was sie auf jeden Fall an mich erinnern würde.
Ehrfürchtig nahm sie es und öffnete das Kästchen.
„Oh mein Gott. TOM! Das geht doch nicht.“
Ich grinste.
„Siehst du doch. Gib mal her!“
Ich nahm ihr den Ring ab, nahm ihre Hand und steckte ihn an den Ringfinger. Sie zog mich runter und drückte mir einen Kuss auf. „Ich liebe Dich, vergiss das nie!“
Ich lächelte und erwiderte den Kuss und stand dann auf. „Ich muss jetzt los, bis Morgen!“
Sie winkte und ich verließ das Krankenhaus mit einem komischen Gefühl.

Als ich am nächsten Tag, ein Samstag, morgens in ihr Zimmer kam, waren die Ärzte schon da.
Was war denn hier los?
Eine Schwester schob mich aus dem Zimmer.
„Tut mir Leid, du kannst da jetzt nicht rein. Es… heute Nacht… also sie ist…“
Ich hörte gar nicht mehr zu.
Das sollte es gewesen sein?
Es war vorbei. Tot?
Es war der erste und der letzte Valentinstag den wir zusammen erlebt haben.
Sie war einfach nicht mehr aufgewacht.

~*~

30. Kapitel

Es war ein verregneter Nachmittag, alle versammelten sich auf dem Friedhof um sich von dir zu verabschieden, Gina. Es war eine schöne Zeremonie. Ich musste auch etwas sagen, nein ich wollte. Aber als ich dann vor den Leuten stand und meine Worte fassen wollte, war ich nicht dazu fähig. Ich musste nur an dich denken. Konnte an nichts anderes denken. An nichts. Nur du warst in meinem Kopf, hast meine Gedanken geleitet.
"Ich liebe sie! Ich habe noch nie für einen Menschen soviel empfunden wie für sie. Dafür liebe ich sie.", das war alles, was ich sagen konnte. Mehr nicht.
Ich wollte ihnen von dir erzählen, einfach etwas über dich. Aber ich konnte nicht. Es tut mir Leid.
Und obwohl ich dich verloren habe, war es die schönste Zeit in meinem Leben und ich werde es nie vergessen. Wir haben Höhen und Tiefen erlebt, aber wo die Liebe ist, ist auch ein Weg, richtig?
Ich werde dich nie vergessen. Niemals.
Alle waren da. Wirklich alle. Sogar Patrick. Er hat sich bei mir entschuldigt, bei mir. Obwohl er es doch bei dir hätte tun sollen, aber du hättest ihm verziehen. Ich weiß es, du bist so gutherzig, Gina.
Ich vermisse dich und nicht nur ich. Auch Bill und die anderen. Dein Lachen, dein Strahlen in den Augen, deine Macken. Alles an dir fehlt mir, uns.

Bill ist am Boden zerstört. Wenn ich nach rechts sehe, dann sehe ich deine Mutter, wie sie sich an Bill klammert. Wir haben viel mit ihr geredet. Sie ist am Boden zerstört, Gina. Sie weint wie ich noch nie einen Menschen habe weinen sehen.
Georg und Gustav stehen neben mir, auch sie sind betroffen. Gustav vor allem, er kennt die schließlich länger, wenn auch nicht besser. Irgendwie wart ihr ja schon verwandt.

Jetzt bist du wieder bei deinem Opa. Ich bin mir sicher, ihr schaut auf uns herab und seid beide froh, euch wieder zu sehen.
Die ganzen Lehrer sind da und sehen zu tiefst bestürzt in den Himmel, oder sprechen ein paar Worte für dich.
Allmählig leert sich der Platz und ich stehe nur noch mit Patrick, Bill, Georg und Gustav hier. Patrick verabschiedet sich von dir und nun stehen nur noch wir vier hier.
Es scheint, als würde es immer stärker regnen. Ich weiß, warum es heute regnet, der Himmel trauert um dich, Gina.
Auch Gustav und Georg gehen. Bill legt mir seine Hand auf die Schulter.
"Komm...Tom..."
Doch ich schüttle den Kopf. Ich möchte hier bleiben. Nur bei dir. Es wird immer dunkler und regnerischer, aber mich stört das nicht. Mittlerweile bin ich alleine hier und sehe auf dein Grab.
"Ich liebe sie!", sagte ich.
"Sie dich auch Tom, sie dich auch“, sagte Bill.
“Es...es tut mir Leid, dass sie nie ihr Wunder erlebt hat!", murmelte ich, doch Bill schüttelte den Kopf.
"Was redest du denn da?? Das hat sie! Du warst ihr Wunder..."
Meine Kehle schnürt sich zu und der Griff meiner Hand verfestigt sich um die Blume die ich in der Hand hielt.
Schweigend stehen wir hier und sehen auf dich herab. Du fehlst uns. Ich sehe, wie Bills Augen immer mehr glitzern und wie die ersten Tränen laufen. Auch er liebt dich.
"Wir sollten gehen!", haucht er und ich nicke. Ich stehe auf und lege die Blumen auf dein Grab.
Blaue Rosen und eine rote. Sie sticht heraus, wie unsere Liebe. Wir sind etwas besonderes, Gina. DU bist etwas Besonderes. Nie werde ich dich vergessen. Ich werde dich in meinem Herzen verschließen, du hast dort immer einen Platz und nie wirst du weichen...nie...

Ich streiche mit den Fingerspitzen über die Inschrift auf deinem Grabstein. "Niemals vergessen, für immer in unseren Herzen. Virginia Berger.", lese ich leise vor.
Ich spüre Bills Hand auf meiner Schulter und stehe auf.
Einen allerletzten Blick werfe ich zurück und dann gehe ich. Aber ich werde jedes Jahr wieder kommen...jedes Jahr.
Du warst meine große Liebe Gina und wirst es immer bleiben. Niemals kann jemand deinen Platz einnehmen. Ich werd dich nicht vergessen, oder verleugnen. Du bist bei mir und das weiß ich. Mein ganzes Leben lang...und wir werden uns wieder sehen. Irgendwann...

~*~

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